Sonntag, 30. November 2014

Adventsgemoose

Fast hätte ich es vergessen, aber vor lauter Advent fiel es mir eben wieder ein: Kürzlich erschien relativ heimlich, still und leise die niederländisch-schwedische Neuverfilmung von Es ist ein Elch entsprungen auf DVD und Blu Ray. Ins heimische Kino hat's der Film leider nicht geschafft, aber dafür lief er vergangenes Jahr in den Niederlanden abartig erfolgreich. Bisher kenne ich nur die holländische Version mit englischen Untertiteln; synchronisiert - hoffentlich ordentlich! - gucke ich mir den Spaß heute Nachmittag, bei Schwarzweiß-Gebäck und dergleichen, mit meiner Mutter an.



Persönlich gefällt mir Mitten in der Winternacht besser als die deutsche Filmversion. Der kindliche Blickwinkel ist konsequenter gewahrt, die Kamera befindet sich gern mal auf Bubikopf-Höhe. Mister Moose fand ich eingangs gewöhnungsbedürftig (das ist die euphemistische Umschreibung für grauenhaft), bis ich bemerkte, dass ich einfach "meinen" Moose vergessen und mich mit diesem neuen anfreunden musste: Einem zu Beginn wirklich ausgemachten Großmaul, das jedoch über den Handlungsverlauf hinweg dermaßen gewinnt – auch und vor allem an Witz –, dass ich zuletzt doch sehr angetan war (das ist die irgendwas-mistische Umschreibung für begeistert).

Hier der Trailer – und euch allen einen schönen ersten Advent!



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Mittwoch, 8. Oktober 2014

La lune, mit ihrem silbernen Schein ...


Eigentlich weiß ich so was. Eigentlich weiß ich so was so gut, dass mir so ein Fehler gar nicht (wie in: nie und nimmer) unterlaufen konnte. Oder sollte oder durfte. Tat er aber. Wo war ich da bloß im Kopf unterwegs - in den Wolken? Mondsüchtig?

Schrecklich. Und dann neulich, im Physikunterricht:

"Felix, sag mal - wie war das mit dem Neumond, hm?"
"Fragen'se doch den Steinhöfel, den alten Kackmichel!"


An die Verfasserin des Briefes: Es tut mir aufrichtig leid, solchen Mist gebaut zu haben. Allerdings finde ich so was wie "der Mondes steht in seinem eigenen Schatten" auch nicht so dolle. Wegen solcher Aussagen habe ich in Physik zuletzt nur noch gepennt. "Bei Neumond steht der Mond haargenau zwischen Erde und Sonne", finde ich nachvollziehbarer. Es ist so einfach. Oskar hätte das wissen müssen, aber - hey: Vielleicht ... ja, genau ... vielleicht hab ich die Szene nur so geschrieben, damit findige Leser Oskar mal beim Bluffen erwischen!
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Kleiner Messetermin

Dieses Jahr ist mein Messekalender zum Bersten voll – nach dem Rico-Erfolg werfen sich jetzt alle möglichen Medien auf Anders, im frohen Kritiker-Bewusstsein, dass eine eventuell damit einhergehende Bauchlandung ja allein ich erleide. Nennt sich Arbeitsteilung. Und ernsthaft: Natürlich freue ich mich über das Interesse. Anders unternimmt einen sehr, sehr weiten Schritt fort von den Rico-Geschichten; sehr bewusst, und der Titel des Buches ist da durchaus programmatisch gemeint. Sicherlich gibt es Schlimmeres, als in einer Schublade (oder einem Elefanten-Kästchen) mit dem Bildchen eines Tiefbegabten drauf zu stecken. Bloß bin ich zu jung, um es mir darin schon dauerhaft gemütlich einzurichten. 


Abseits des zu erwartenden Getümmels bleibt mir dennoch ein wenig Zeit für … man glaubt es kaum … meine Leser: Wer sich ein Buch signieren lassen möchte, hat dazu Gelegenheit am Samstag, 11. Oktober zwischen 14 bis 15 Uhr. Dann sitze ich am Signiertisch beim Carlsen Verlag in Halle 3.0, Stand G 84.

Ich kritzel in jedes meiner Bücher, das mir unter die Nase geschoben wird, nur mit Anders selbst könnte es knapp werden. Wenn ich korrekt informiert bin, besteht zwar dieses Jahr zum ersten Mal Gelegenheit, Bücher unmittelbar am jeweiligen Verlagsstand (anstatt ausschließlich in der Messe-Buchhandlung) zu kaufen. Allerdings weiß ich nicht, ob von Anders ausreichend Exemplare vorliegen; der Titel wird absolut druckfrisch direkt zur Messe geliefert. Da tropft also noch Tinte runter.


Wer leer ausgeht, kann sich aber immer noch einen ersten Eindruck von Anders bei meiner Lesung am Sonntag, 12. Oktober um 11.15 im Forum Kinder- und Jugendbuch, Halle 3.0, K 137 verschaffen. Leider nur eine halbe Stunde Zeit, und rundum wird es laut sein, aber die Messebetreiber wollten mich (neben diversen anderen Kinder- und Jugendbuchautoren) aus irgendwelchen Gründen (keiner mag sie nennen, keiner fühlt sich zuständig – feige Säcke!) nicht im Spiegelzelt haben. Pfff ...
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Donnerstag, 25. September 2014

Lesungen im Herbst 2014

Anlässlich der Veröffentlichung meines Romans Anders - zur Zeit ist das Buch noch im Druck und dürfte etwa ziemlich genau während der Buchmessezeit an den Handel ausgeliefert werden – unternehme ich im Herbst zwei Lesereisen. Wohin die mich führen, entnehme man bitte den beiden folgenden Listen. Für Kinder unter 12 Jahren empfinde ich selber das Buch als recht heftig und eventuell auch als etwas schwer verständlich. Bitte also hinterher kein erziehungsberechtigtes Rumgeheule, man sei nicht gewarnt gewesen und der Autor habe jetzt gefälligst die Kosten für die Therapie zu übernehmen!




Lesungen im Oktober 2014

11.10. Frankfurt
ab 20 Uhr - Hörbuch-Nacht von HR2, Sendesaal in der Bertramstraße 8
(nur kurze Auszüge aus Anders; viele weitere Autoren)

12.10. Frankfurt (Buchmesse)
11 Uhr - Bühne im Kinderbuch-Zentrum 3.0 K137

20.10. Göttingen
18 Uhr - Literarisches Zentrum Göttingen e.V.

21.10. Köln
17 Uhr - Literaturhaus Köln e.V.

22.10. Essen
17 Uhr - Mariengymnasium (Foyer)

23.10. Baden-Baden
15 Uhr - Markgraf-Ludwig-Gymnasium

24.10. Würzburg
15 Uhr - Central Kino Würzburg

26.10 Reichelsheim
14 Uhr - Regionalmuseum (anlässlich der Verleihung des Wildweibchenpreise)


Lesungen im November 2014

04.11. Biedenkopf
19 Uhr - Rathaussaal (Benefiz)

06.11. Berlin
17 Uhr - Theater in der Parkaue

07.11. Berlin (Steglitz)
voraussichtlich 11 und 12.45 Uhr -Schlossparktheater (ausverkauft)

07.11. Berlin (Zehlendorf)
19 Uhr – Buchhdlg. Braun und Hassenpflug,
Fischerhüttenstraße 79

08.11. Hamburg
16 Uhr - Kirche St. Jacobi (Lesefest Seiteneinsteiger)

09.11. Braunschweig
16 Uhr - Buchhandlung Graff GmbH

10.11. München
16.30 Uhr - Münchner Stadtbibliothek

11.11. Stuttgart
17 Uhr - JES, Junges Ensemble Stuttgart

12.11. Esslingen
10 Uhr - Stadtbücherei Esslingen

12.11. Ulm
14.30 Uhr - Altes Theater Ulm

13.11. Regensburg
16 Uhr - Amberger Stadel

14.11. Nürnberg
16 Uhr - Katharinensaal in der Stadtbibiliothek

15.11. Erfurt
15 Uhr - Café Nerly

16.11. Eisenach
11 Uhr - Haus Hainstein (Vortrag)

19.11. Münster
17.30 Uhr - Schlosstheater

20.11. Bielefeld
21.00 Uhr -Universitätsbibliothek

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Dienstag, 8. Juli 2014

Gemüse zum Rico-Film

Befragt man Leser, welche Kriterien eine Literaturverfilmung erfüllen sollte, dürfte der kleinste gemeinsame Nenner wohl der sein, ein Film müsse den Geist seiner Vorlage atmen, irgendwie. Mit Neele Vollmars Verfilmung der Tieferschatten habe ich noch mehr Glück gehabt als dieses: Alles ist drin, drum und ran, und dazu kommt noch das gewisse eigene Etwas – die spürbare Handschrift der Drehbuchautoren, der Regisseurin und von noch wem – siehe unten. Hätte ja schließlich ein Actionspektakel für Kinder werden könne, gelle? Noch dazu eines mit der Oma mit dem bunten Hütchen auf dem Kopp, die unten rechts im Bildrand steht und ein Fähnchen schwingt, wenn es lustig wird. Nur für den Fall, dass ein geistig minderbemitteltes Gör im Kino seinen Lacheinsatz verpasst. Denn Kinderkino soll ja in erster Linie lustig sein. Außerdem spannend. Und etwas lernen soll das guckende Kind auch noch. Überhaupt gleicht Kino für Kinder gern manchen Büchern für Kinder: Es ist nicht mehr als eine sich hinterrücks anschleichende Pädagogikmaschine.



Die Tieferschatten sind besser als das. Sie nehmen sich lange, lange Zeit zur Einführung aller Figuren. Das ist eine heute kaum noch übliche Exposition, die Platz zum Luftholen und zum Einfühlen lässt … wofür Expositionen auch gedacht sind, bloß dass drei Viertel aller Regisseure und Produzenten darauf inzwischen einen nassen Pups geben, und ein guter Teil eines vom TV intellektuell längst runtergewirtschafteten Publikums offenbar auch. Allesamt beschweren sie sich gern drüber, dass es so viele miese Filme gibt.

Die Tieferschatten sind bunt. Ich hab den Film fünf mal im Rohschnitt und seitdem in diversen Kinofassungen gesehen, neun mal insgesamt, und bei jeder Sichtung entdecke ich mehr Farben. Eingeschmuggelt vom grandiosen Ausstatter Matthias Müsse. Überall. Im Vordergrund, im Hintergrund, an jeder Wand, und wenn man glaubt, das Bild sei voll, bammelt von links oder rechts oder von oben runter noch ein farbenfrohes Mobile rein. Diese Farben sind das emotionale Polster, von dem man Rico aufgefangen weiß, wenn es ihm schlecht geht oder an den Kragen. Die Farben sind das, was in Ricos Kopf explodiert, wenn seine Mama ihn knutscht oder wenn er sich sonstwie über das Leben freut. Die Farben sind außerdem das Innere der Bingotrommel, in die Ricos Kopf sich verwandelt. Und wenn eine Farbe äußerlich nichts her gibt, lässt der Kameramann Torsten Breuer sie von innen strahlen.

Unbedingt erwähnt sein muss außerdem Oliver Thiede, der die Filmmusik komponiert hat. Den Mann kenne ich nicht, aber er muss ein guter Mensch sein, denn er hat mir einen der schönsten Momente meiner Laufbahn als Filmliebhaber geschenkt. Achtet mal bei der Szene auf dem Dach - als Rico den höhenkranken Oskar ans Geländer lockt - auf die Musik: Da klingt für wenige Takte (vermutlich die gerade so erlaubte Anzahl) das Hauptthema aus Alfred Hitchcocks Vertigo an, damals komponiert von meinem absoluten Lieblings-Filmkomponisten Bernard Hermann. Und das war und ist und wird für immer bleiben: Ganz, ganz großes Kino.