Freitag, 11. November 2016

Mitten ins Kino

Seit gestern läuft nun – nach vielerlei Vorpremieren hier und dort in der Republik – Die Mitte der Welt offiziell in den bundesdeutschen Kinos. Inzwischen habe ich den Rohschnitt vier oder fünf mal gesehen, die finale Kinofassung bei der Deutschlandpremiere in Köln, in Marburg, in Hamburg …. Und ich könnte ihn wieder schauen, diesen so schönen Film, weil es immer wieder Neues zu entdecken (oder bereits bekanntes Tolles wiederzusehen) gibt.


Die Kritiken sind ausnahmslos sehr gut bis exzellent und euphorisch und machen hoffentlich beim ein oder anderen bisher Unentschlossenen Lust auf mehr:


„Verspielt, unangepasst und emotional mitreißend – ‚Die Mitte der Welt‘ vermittelt auf herausragende Weise das Gefühl einer pubertären Gefühlsachterbahn.“

Von DPA, erschienen z.B. auf T-online.de
„Schwulen-Film könnte Louis Hofmann den Durchbruch bringen (…) So locker und leicht die Selbstdarstellung von Phil daherkommt, so unaufgeregt und selbstverständlich hat Regisseur und Drehbuchautor Jakob M. Erwa die Homosexualität der Hauptfigur im Film "Die Mitte der Welt" inszeniert.“

Von Teleschau, erschienen auf Msn.de
„eine zauberhafte Geschichte, die beglückt und verzückt, betrübt und verstimmt und auf der Leinwand genauso einzigartig einschlägt wie im Buch.“ Teleschau, ausgezeichnet 

„(…) bleiben bei Die Mitte der Welt insbesondere zwei Dinge in Erinnerung: die Bilder eines langen Waldweges und die Selbstverständlichkeit, mit der die Homosexualität der Hauptfigur behandelt wird. (…) Weitaus dramatischer ist Phils Abnabelung von seiner Familie (…)  und wie er für sich einstehen kann. Und das ist wohltuend unaufgeregt.“ Kino-zeit.de.de

„Eine schwule Lovestory, bei der die sexuelle Orientierung überhaupt keine Rolle mehr spielt! (…) So leichtfüßig die Inszenierung daherkommt, so erfrischend erweist sich das Ensemble. (…) Mit welcher Intensität Hofmann hier eine Trennungsszene hinlegt, das ist schon eine Klasse für sich!“ Programmkino.de

„Große Gefühle – frei von Kitsch oder Rührseligkeit“

„Sehnsüchtiger hat das queere Kinopublikum dieses Jahr vermutlich keinen Film erwartet“ M-maenner.de

„Allein mit welchem Feuerwerk an bildnerischen und stilistischen Ideen Erwa versucht, die überschwängliche und auch widersprüchliche Gefühlswelt von Phil sichtbar und erlebbar zu machen, ringt großen Respekt.“ Siegessauele.de

„Ganz selbstverständlich schwul (…) Die Schauspieler, allen voran Louis Hofmann (u. a. Deutscher Schauspielerpreis als bester Nachwuchsschauspieler), sind ganz und gar wunderbar. Die Atmosphäre des Films ist geheimnisvoll, spannend und mitreißend. Wer das Kultbuch schon kennt, wird es ohnehin nicht erwarten können, den Film zu sehen. Wer nicht, den erwarten großes Kino und eine tolle, überraschende Story. ‚Die Mitte der Welt‘ ist mit Sicherheit einer unserer Lieblingsfilme des Jahres.“ Blu.fm

So. Und da ich nun die letzte Reise für dieses Jahr hinter mir habe (und vor mir unbegrenztes Schreiben am Rico-Weihnachtsbuch für das kommende Jahr), sollte ich in den nächsten Tagen auch endlich das überfällige Blog-Update auf die Reihe kriegen. Zumal ich ja noch Werbung für Die Sendung mit der Maus machen muss, bzw. für Rico und Oskar, die sich darin austoben, in einer von mir und Kumpel Klaus Döring verfassten und produzierten Animationsreihe.

Freitag, 5. Februar 2016

Vorfreuden für zwischendurch










Sonntag, 10. Januar 2016

Sneak Peek - Die Mitte der Welt

Ich lasse den - von mir schon gesichteten und für Neun-von-Zehn-Punkten befundenen - dritten Rico-Film ungern ins Hintertreffen geraten, aber ich gestehe offen: Mit bereits zwei Ricos im Rücken war ich inzwischen ein wenig gespannter auf die Spielfilmadaption von Die Mitte der Welt. Weshalb ich mich an dieser Stelle zu Rico, Oskar und der Diebstahlstein etwas später äußern werde.

Die Mitte der Welt also: Eben habe ich mir die 110 Minuten des Rohschnitts angeschaut. Es stehen noch die üblichen Farbkorrekturen aus, das Sounddesign, einige visuelle Effekt sind gerade in der Mache, und die Musik war oft mehr von Platzhaltern bestimmt als vom späteren originalen Soundtrack; aktuell werden da noch Rechtefragen geklärt. All dessen ungeachtet kann ich jetzt schon behaupten, dass der Film ganz phantastisch geworden ist. You hear me? GANZ UND GAR PHANTASTISCH! Ich bin glücklich und begeistert und sehr, sehr froh; man weiß ja vorher nie – nicht wahr, Forrest? –, was man kriegt. Für meine Begeisterung habe ich Zeugen: Brüderchen Dirk und sein Schnucki haben mitgeschaut. Beide sind genauso hingerissen wie ich.



Jakob M. Erwa, der nicht nur Regie führte, sondern auch fürs Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat es geschafft, den im Buch bewusst zeitlos gehaltenen Stoff wie mühelos in die Gegenwart zu holen – und Kinners, ich bin selber Autor: Nichts ist so verdammt anstrengend wie Mühelosigkeit. Jakobs Eingriffe machen sich sprachlich bemerkbar, in der Ausstattung, in den Kostümen und in der Inszenierung (Smartphone-Chats werden zum Beispiel im laufenden Bild eingeblendet, kleine Reminiszenz an den von mir verehrten Sherlock, oder wo auch immer dieses hübsche Mittel erstmals eingesetzt wurde). Ändert dies (wie ich nicht besonders heimlich befürchtet hatte) irgendwas am Inhalt oder an den Figuren? Mitnichten. In Die Mitte der Welt ist alles drin, drum und dran, was mir wichtig ist und was Fans des Romans erwarten werden. Oder fast alles: Rückblenden in die Kindheit von Phil und Dianne finden nur mit ihnen sowie Glass als handelnden Personen statt, auf alle Nebenfiguren wurde verzichtet. Geht auch nicht anders, der Film sollte ja nicht die Fortsetzung von Krieg und Frieden werden.

Ich werde zum Kinostart im Sommer nochmal was Längeres schreiben. Dann kann ich mich auslassen über das clever konstruierte Drehbuch, den inszenatorischen Mut, über die phantastische Kameraarbeit, die so sorgfältige Ausstattung, das (wirklich) grandiose Licht … und über die Schauspieler. Die wunderbaren, wunderbaren, wunderbaren Schauspieler!

Happy!
LZ

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Heiligabend






Frohe Weihnachten!





Mittwoch, 23. Dezember 2015

Sterne und Trabanten (2)

Die Keimzelle zu Wenn mein Mond deine Sonne wäre bildete das Musikstückchen Der Mond über den Wiesen aus Prokofjews kleinem Orchesterwerk Ein Sommertag (op. 65). Nahezu alle meine Bücher entstehen aufgrund eines plötzlichen Bildeindrucks; hier war es der von einem riesigen hellen Mond über einem dunkel gesäumten Tannenwald; ein kleiner Junge hastet vor dem Wald von links nach rechts durchs Bild. Und dieser Junge sah – ebenso Wald, Himmel, Mond – haargenau so aus, als entstammte er einer Zeichnung von Jean-Jacques Sempé. Ich liebe Sempé, seit ich als Kind den von ihm illustrierten Kleinen Nick kennen lernte. Mir gefällt sein klarer, leicht reduzierter Strich. Vor allem aber gefällt mir Sempés zurückhaltender Umgang mit Farben, die nie aufdringlich wirken, weil sie dazu viel zu blass sind, selbst wenn sie kräftig erscheinen. So etwas wollte ich für mein neues Buch: ein Sempé-Kind vor einem Sempé-Wald, der dunkel war und dennoch transparent, und einen Sempé-Mond ganz hell, aber nie durchsichtig.


Sempé (Jahrgang 1932) weilt noch vergnügt unter den Lebenden, dürfte aber weder auf Prokofjew noch auf Steinhöfel warten, um mal wieder was zu tun zu haben. Doch meine Ansage an den Verlag war gemacht: Ich hätte gern… Und der Verlag (namentlich die wunderbare Sabrina Janson) zauberte Nele Palmtag aus dem Hut. Meine allumfassende Unkenntnis deutscher Autoren und Illustratoren ist fast schon legendär, diese Palmtag sagte mir also nichts. Aber ich guckte nach, zum Beispiel beim bebilderten Interview hier, und dachte, na ja, transparent genug kann sie ja, ansonsten aber ist ihr Stil mir etwas zu … füllig? Kleinteilig? Zu viel Bunt und Schraffur bei zu wenig einfarbiger Fläche?


Es war, wie sich herausstellen sollte, zu sehr alles, was ich jetzt an Wenn mein Mond deine Sonne wäre schätze und liebe und nie wieder hergeben würde. Die Palmtag ging dabei raffiniert vor (womöglich hatte die Janson sie instruiert): Kaum war mein zögerliches Okay, sie kann es ja mal versuchen gegeben, verschwand sie für sechs Monate völlig aus meiner Wahrnehmung, so dass ich das Buch einfach vergaß, man hat ja noch mehr zu tun. Um mir dann unangekündigt ein PDF mit allen Bildern zu schicken, das mich völlig überrumpelte. Völlig überrumpelt heißt: Ich gucke da rein und fang an zu heulen, weil das von Nele Erschaffene einfach so schön ist, so passend zum Text, noch passender zum Subtext, so stark in seiner Symbolkraft, so überlegt und so voller Verständnis für den kleinen Helden der Geschichte.



Ich habe Nele nie nach ihrem Honorar gefragt, hoffe aber, dass der Verlag für ihr himmelviele Arbeit ordentlich was hat springen lassen – jeder weiß, wie unverschämt beschissen Illustratoren in der Regel entlohnt werden. Aber ein Teil des Lohns ist das, was entstanden ist, und persönlich werde ich Nele ewig dankbar sein für die perfekte Umsetzung einer Geschichte mit Musik, die nun ohne ihre Bilder gar nicht mehr denkbar ist.

(Ein langes Gespräch zwischen Nele und mir kann man hier anhören; eine schöne Besprechung des Buches findet sich hier.)
LZ