Samstag, 10. Dezember 2011

Versender versandet

Liebe 5. Klasse irgendwo in Bremen, es gibt unter euch einen Kilian, eine Sarah, die Saskia und den Ali, Marco und Eray und Max und eine ganze Menge anderer Mitschüler. Ihr alle habt mir geschrieben, nachdem ihr in der Schule Paul Vier gelesen habt.

Ich antworte euch hier stellvertretend für all jene Schulklassen (manchmal auch Einzelpersonen), deren Briefe ebenfalls im Verlag geöffnet werden, bevor man sie von dort an mich weiterschickt. Das passiert immer dann, wenn auf dem Umschlag nicht deutlich vermerkt ist, dass der Inhalt für mich bestimmt ist (also so was wie: Andreas Steinhöfel, Carlsen Verlag oder Carlsen Verlag, c/o Andreas Steinhöfel).

Dann öffnet jemand im Verlag die Post; könnte ja für sonst wen dort bestimmt sein. Und beim Weitersenden an mich wird dann gerne mal vergessen, den dazugehörigen ursprüngliche Umschlag mit der Adresse des Absenders drauf - also eurer - an mich beizulegen. Weshalb ich dann nicht antworten kann.


Die zuständigen Leute bei Carlsen versuchen darauf zu achten, dass das nicht geschieht. Aber es kommen dort jeden Tag ganze Fluten von Leserbriefen für Dutzende von Autoren an, da passiert das dann eben doch immer mal wieder. Daher meine Bitte: Bei Klassensätzen bitte auf wenigstens einem eurer Briefe die Schul-/Klassenanschrift vermerken. Bei Einzelbriefen sowieso. Dann klappt das und es gibt als Antwort eins von diesen Autogrammen, die man so prima mit Dartpfeilen beballern kann.
LZ

Donnerstag, 17. November 2011

Wolkig bis heiter

Brüderchen Dirks umfangreiche Bebilderung von P.B. Shelleys Die Wolke wurde von der Kritik verdammt gut aufgenommen. Meine Übersetzung dieses wunderschönen Gedichts – ein Vorzeigewerk der englischen Romantik, Abteilung Naturlyrik – ebenfalls. Alles gut? Alles gut! Vor allem die Tatsache, dass digitales Arbeiten zunehmend als künstlerischer Akt begriffen wird. (Einem ebenso eifrig gehegten wie dümmlichen Vorurteil zufolge überlassen Illustratoren, die digitale Bilder erschaffen, dem Computer sozusagen per Knopfdruck den schöpferischen Akt. Während uns Autoren noch nie unterstellt wurde, dass wir – dank passender Textverarbeitungs-Software – dieselbe Maschine unsere Bücher für uns schreiben lassen.)


Was mich an der Zusammenarbeit mit Illustratoren immer wieder neu fasziniert, ist das Erkennen meiner eigenen mangelnden Imagination, sobald es darum geht, eine Textvorlage zu bebildern. Bei mir funktioniert es ja eher umgekehrt: Ich sehe ein Bild und es spinnt sich quasi von selbst um dieses herum eine Geschichte.


Zu Shelleys Versen wäre mir daher wohl bestenfalls einer dieser niedlichen Erbauungs-Bildbände eingefallen (achtundzwanzig verschiedene Wolkenbilder), die beim Betrachter gern alles mögliche erregen – hauptsächlich meditative Ruhe, wenn auch niemals, niemals den Wunsch, sofort einen Fesselballon zu besteigen.


Dirk hat aus dem Gedicht ums Werden und Vergehen eine Story gemacht, bei der man genau hinschauen muss, wenn man sie im ersten Anlauf dechiffrieren will. Der Junge, der auszieht, um mittels Feuer, Erde, Luft und Wasser eine uralte Wolkenmaschine in Gang zu setzen, muss zuletzt erkennen, dass es ihm in seinem Schaffensdrang nicht anders ergeht wie dem zu erschaffenden Werk: Beides ist flüchtiger Natur, nicht zu vollenden. Bei aller Veränderung, die unsere Reisen eventuell in uns bewirken, führen sie uns oft doch nur wieder zurück zu deren Beginn (ein Thema übrigens, wie ich es in Die Mitte der Welt zirkelhaft mit der An- und Abreise eines Schiffes bebildert habe). Zuletzt können wir die Staffel immer nur an andere weitergeben.

LZ

Samstag, 1. Oktober 2011

Dirk und ich - Gewinner des Jubiläumsspiels

Bis auf meinen wunderbaren Kollegen Mats Wahl scheinen (zumindest wenn man in der Wikipedia nachschlägt) so gut wie alle populären Mats-Männer Fußball- oder Eishockeyspieler zu sein.

Ich weiß nicht, ob der Gewinner des Dirk-und-ich-Jubiläumsspiels sportlich ist. Aber ich weiß, dass sein zweiter Name, Sampo, in der finnischen Mythologie eine Art Zaubermühle darstellt. Etwas weniger mythisch, aber vermutlich davon abgeleitet, ist die gleich lautende Benennung einer finnischen Streichholzmarke. Hübsch, gell?

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Wie auch immer: Flammende Glückwünsche nicht nach Finnland, sondern nach Berlin, Mats! Wegen des Feiertags kann ich das Päckchen mit deinem gewonnenen Buch erst am Dienstag zur Post bringen ... bitte also um etwas Geduld.
LZ

Mittwoch, 14. September 2011

Rico 3 - Die Premierenlesung

Jetzt wollte ich ein bisschen Werbung machen für die Premierenlesung von Rico, Oskar und der Diebstahlstein (beim Hamburger Literaturfestival Harbourfront) und stelle – auf der Suche nach der Adresse des Veranstaltungsortes – fest, dass der Spaß bereits ausverkauft ist. Durch die Lesung führen wird Eva-Maria Magel von der FAZ, die so hübsch ist, dass ich mir jetzt Sorgen mache, die Tickets könnten nur wegen ihr vergriffen sein. Pfff …



Wie auch immer: Am Samstag, 24. September nicht mehr auf 16 Uhr ins Theater für Kinder in der Max-Brauer-Allee 76 in Hamburg kommen! Es lässt euch keiner rein! Außer vielleicht, wenn ihr den Trick anwendet, mit dem Rico und Oskar im Diebstahlstein einen Platz in einem rappelvollen Zug Richtung Ostsee ergattern. Da das Buch jedoch erst am Premierenlesungstag auf den Markt kommt (weshalb ich womöglich, schön peinlich, aus meinen zerknitterten und beklecksten letzten Korrekturfahnen vorlesen muss), könnte es knapp mit Einkaufen, Lesen und Trick lernen werden.

Was aber auch noch helfen könnte: Am 24. Oktober lese ich nochmals in Hamburg, um 18 Uhr im Kinderbuchhaus/Altonaer Museum. Ich will also jetzt kein Geheule hören, nur um dann im Oktober eventuell ein paar leere Plätze zu sehen!
LZ

Sonntag, 28. August 2011

Dirk und ich - Jubiläum und Gewinnspiel

Diesen Herbst wird Dirk und ich, mein erstes Buch, zwanzig Jahre alt. Anlass genug, dem Titel einen eigenen Geburtstags-Beitrag zu widmen; Anlass auch für ein kleines Gewinnspiel.

Zur Entstehung von Dirk und ich (und damit zu meiner Entstehung als Autor) habe ich dieses Frühjahr in Oldenburg, im Rahmen meiner Junior-Professur, bereits weiter ausgeholt. Hier, aus Bequemlichkeit, ein gekürzter Auszug aus der entsprechenden Vorlesung:


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"Es ist eine Hollywood-Geschichte, aber sie ist zu einhundert Prozent wahr, was Sie schon daran erkennen werden, dass sie so unwahrscheinlich klingt: Mein zwei Jahre jüngerer Bruder Dirk wollte Illustrator werden und bemühte sich um einen Job. Vom Carlsen Verlag in Hamburg erhielt er einen Probeauftrag. Carlsen war damals, vor 20 Jahren, ein sehr kleiner Verlag, bekannt eher für Comics, für die quadratischen kleinen Pixi-Heftchen und wegen seiner Bücher für Leseanfänger. Harry Potter lag noch in ebensolcher Ferne wie Bella und Edward und Biss der Arzt kommt.

Mein Bruder gab mir den Text, den er probeillustrieren sollte. Ich möge mal reinschauen, Stellen aussuchen, die sich meines Erachtens für eine Illustration anboten. Ich schaute rein. Der Text war das Letzte. Ein pädagogisch bemühter Krampf, der kindliche Leser nicht nur manipulieren sollte, sondern der darüber hinaus auch noch ihre Intelligenz beleidigte. (…)

Noch am dieser Lektüre folgenden Abend verfasste ich, aus Wut über so viel Kindern gegenüber aufgebrachte, geradezu mittelalterliche Arroganz, die erste Kurzgeschichte meines Lebens. Schickte sie an Carlsen, hörte ein halbes Jahr lang gar nichts, was nicht schlimm war, denn nach einem Vierteljahr hatte ich den Spaß innerlich ad acta gelegt und vergessen. Dann Rückmeldung des Verlags mit der Anfrage, ob ich mir noch mehr solcher Geschichten zutraue; schließlich ein Vertrag. Parallel zu meiner Magisterarbeit begann ich die Arbeit an Dirk und ich, meinem ersten Buch, und es ist von nicht sonderlich feiner Ironie, dass mein Bruder Dirk, dem ich somit meinen Beruf zu verdanken habe, zwanzig Jahre benötigte, bis seine eigene Berufung sich endlich erfüllte. Im Herbst 2011 erscheint sein erstes großes Bilderbuch."


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Zu besagtem Bilderbuch meines Bruders erstelle ich (weil es auf einer meiner liebsten Übersetzungen basiert, aber natürlich auch aus überbordendem Bruderstolz) demnächst einen eigenen Beitrag. Zu unserer gemeinsamen Kindheit schweige ich mich hier lieber aus. Sie war, das stand im Zentrum der Oldenburger Vorlesung, ganz und gar nicht komisch – Dirk und ich ist die Bebilderung einer Wunschkindheit, in etwa so autobiographisch, als hätte ich ein Buch über unsere erste Reise zum Mars verfasst.

Wie auch immer: Für den Stil der lose aneinander gereihten Geschichten standen zwei von mir heiß geliebte Kinderbuchklassiker Pate, die mir und meinen Mitschülern in der Grundschule vorgelesen worden waren. Das eine war René Goscinnys Der kleine Nick. Selbstredend ist der französische Klassiker das weitaus bessere Buch; spannend finde ich aber heute noch, wie unaufgeregt und gemächlich der Nick eigentlich daher kommt, mir aber seine Erzählungen in Erinnerung geblieben sein müssen als das größte literarisch gerade noch darstellbare Durcheinander, das Kinder anrichten können. Da dennoch einen drauf zu setzen, blieb der Grünen Wolke von A.S. Neill überlassen (bereits hier im Blog erwähnt). Ganz offenbar habe ich von dort die anarchische kindliche Lust an Zerstörung und Chaos übernommen.


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Und da diese Lust nie ausstirbt, erfreut sich Dirk und ich seit zwanzig Jahren gleich bleibender, inzwischen sogar noch weiter wachsender Beliebtheit (die vermutlich dem Erfolg eines neueren Pärchens, nämlich Rico und Oskar, zuzuschreiben sein dürfte). Aktuell erhältlich ist sogar eine englische Ausgabe mit Vokabelhilfe, und wer sich den Spaß als Hörbuch antun will, darf zwischen den einzelnen Geschichten kurzen (und hoffentlich kurzweiligen) im Hamburger Tonstudio geführten Gesprächen zwischen Dirk und mir lauschen, wie wir über unsere Kindheit und den Wahrheitsgehalt des Buches räsonieren.

Nach seiner Veröffentlichung hielt mich der Titel eine Weile auf Trab. Zunächst war da die Angst, womöglich den Nerv kindlicher Leser nicht getroffen zu haben. Sie wurde mir, erfreulicherweise, schnell genommen: Zum Erscheinen des Buchs hielt ich eine Lesung – meine erste überhaupt – im Spiegelzelt der Frankfurter Buchmesse. Vor mir saß, in der ersten Reihe, ein etwa achtjähriger Junge, der irgendwann original vor Lachen rückwärts von der Bank kippte, also ziemlich genau das tat, worauf ich hingeschrieben hatte: Sich zu amüsieren wie Bolle auf dem Milchwagen. Diesem Kerlchen bin ich heute noch dankbar, denn jede folgende Autorenlesung absolvierte ich seither mit Nonchalance und Selbstbewusstsein.


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Erwachsene betrachteten Dirk und ich ungleich kritischer. Ich erhielt entsetzte Briefe – zu fast einhundert Prozent von Lehrern –, die der bewusst kindlich gehaltenen (und damit von syntaktischen und grammatikalischen Fehlern nur so strotzenden) Erzählform nichts, aber auch gar nichts abgewinnen konnten. Und Zähne knirschend gab ich ihnen Recht; nicht aus Verkaufs-Kalkül, sondern weil ich das Argument einleuchtend fand, dass man als Kinderbuchautor eine gewisse Verantwortung seinen jungen Lesern gegenüber hat, und sei es nur eine sprachliche.

Als das Buch in die was-weiß-ich-wievielte Auflage ging, entschloss ich mich daher, in Abstimmung mit dem Verlag einige Änderungen am Text vorzunehmen. Wohl gemerkt, keine inhaltlichen – als so schwer wiegend empfand ich meine Verantwortung dann doch nicht. Aber auf syntaktischer und grammatikalischer Ebene wurde der Gemüsegarten des Grauens ein wenig gerodet – sollte mir keiner vorwerfen, zarte Leserseelen hätten nach Lektüre der intolerablen Verquickung von indirekter Rede mit inkorrekten Zeitenfolgen inoperable Schäden davongetragen. Damals konnte ich nicht ahnen, dass bald darauf die Rechtschreibreform viel schlimmere Schäden anrichten würde. Die Arbeit hätte ich mir also eigentlich schenken können.


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Was mich aber nach wie vor freut: Neben diesen Ausbesserungsarbeiten kam es auch zu einer Erweiterung von Dirk und ich um eine (nämlich die letzte) Geschichte, die zwar im Manuskript bereits existiert, bis dato dem Buch aber gefehlt hatte: Meine damalige Lektorin war der Auffassung gewesen, das Buch sei zu lang, es flögen ohnehin schon genug Kinder und Haushaltsgeräte durch die Gegend und jene letzte Geschichte sei sowieso nicht sonderlich witzig … weshalb ich für eine lange Weile vor einem nicht nur – in meinen Augen – kastrierten Buch stand, sondern auch vor einem, dessen Ende merkwürdig in der Luft hing. Die seit der Korrekturfassung inzwischen den Abschluss des Buchs bildende Geschichte bereicherte Dirk und ich endlich um genau jenes Sonnenuntergangs-Ende, das ich schon immer als passend empfunden hatte.

So, und wer jetzt Lust bekommen hat auf ein von mir noch zu signierendes, seit zwanzig Jahren geschützt in Plastikfolie verpacktes, praktisch also nagelneu daher kommendes, tatsächlich aber seltenes Exemplar der Erstauflage meines allerersten Buches (also mit der Text-Urfassung, dafür aber um eine Geschichte kürzer als die aktuelle Fassung), sende bitte eine Mail an diese Adresse: dirk.und.ich[Klammerzeichen]online.de

Als Betreff bitte den Titel jener Dirk und ich hinzugefügten, letzten Geschichte angeben. Text muss keiner in der Mail stehen, auch keine Adresse – den gefälligst glücklichen Gewinner/die Gewinnerin werde ich dann einfach antickern. Einsendeschluss ist der 30. September 2011. Viel Glück!
LZ

Sonntag, 14. August 2011

Lesungen im Herbst 2011

Offiziell mache ich ja momentan Lesungs-Pause, Buchpremieren ausgenommen … und da war doch was: Um Rico, Oskar und der Diebstahlstein zu promoten, bin für Carlsen im kommenden Herbst unterwegs – und zwar für jeweils eine Woche im Oktober und im November.

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24. – 29. OKTOBER

Montag, 24.10. - Hamburg

15:30 + 18:00 Uhr - Kinderbuchhaus (Altonaer Museum), Museumsstr. 23

Dienstag, 25.10 - Berlin

17:00 Uhr - Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Str. 30

Mittwoch, 26.10. - Jena

14:00 Uhr - Ernst-Abbe-Bücherei, Carl-Zeiss-Platz 15

Donnerstag, 27.10. - Dresden

16:00 Uhr - Städt. Bibliothek Dresden, Freiberger Str. 33

Samstag, 29.10. - Zürich

14:00 Uhr - Kaufleuten, Clubsaal, Pelikanplatz 1


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7. – 13. NOVEMBER

Montag, 7.11. - Dortmund

16:00 Uhr - Thalia Buchhandlung, Westenhellweg 44

Dienstag, 8.11. - Düsseldorf

17:00 Uhr - Junges Schausielhaus, Münsterstr. 446

Mittwoch, 9.11. - Rüsselsheim/Gustavsburg

15:00 + 19:00 Uhr - Buch- und Kulturzentrum Villa Herrmann, Mozartstr. 3

Donnerstag, 10.11. - Stuttgart

17:00 Uhr - Stadtbibliothek, Max-Bense-Forum, Mailänder Platz 1

Freitag, 11.11. - Reutlingen

16:00 Uhr - Buchhadlung Osiander, Wilhelmstr. 64

Samstag, 12.11. - Regensburg

18:00 + 20:30 Uhr - Buchhdlg. Dombrowsky, St.-Kassians-Platz 6

Sonntag, 13.11 - München

15:00 Uhr - Kulturzentrum Gasteig, Rosenheimer Str. 5

LZ

Mittwoch, 10. August 2011

Schwerkraft

Ende Juni, einen Tag nach meiner letzten Poetik-Vorlesung in Oldenburg (hemmungslose Selbstdarstellung; sehr großer Spaß!) war ich dort bei einem lokalen Sender zum Gespräch eingeladen. O1 TV Zukunft Bildung erreicht vermutlich weniger Zuschauer als Johannes B. Kerner, als Gast hat man dafür aber viel mehr Kamerazeit. Dergleichen weiß ich zu schätzen, gibt es doch nichts Schlimmeres als die sonst üblichen Dreiminuten-Häppchen, die gern mit so geistreichen Fragen gefüllt werden wie Hatten Sie eine schwere Kindheit? (Die ersten Jahre im Keller waren ganz schlimm), Mögen Sie Kinder? (So lange sie nicht meckern, wenn man sie zum Einkaufen schickt), Haben Sie selber welche? (Ich hatte mal eins, aber das hat ständig dumme Fragen gestellt, und deshalb, na ja …).

Knapp eine Stunde lang stand ich bei O1 dem – bildungspolitisch höchst engagierten – Moderator Bernd Siegel Rede und Antwort in Sachen Bücher, Schule und Bildung … zumindest war das anfangs so geplant. Schwerpunktmäßig drehte sich dann unser Gespräch aber um Die Mitte der Welt – wer also den Steinhöfel sich (und Bernd Siegel) im O-Ton zu diesem Werk äußern hören möchte, kann das unter diesem Link tun; die Sendung wurde Anfang der Woche online gestellt.

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Wer aber einfach nur mal sehen will, wie traurig es um mein Bindegewebe bestellt ist: Bitte sehr! Ich schaue gerade die zweite Staffel Nip/Tuck, das macht wirklich empfindlich. Während der Aufzeichnung stand schräg links von mir ein Monitor, ich musste meinen Anblick also über die ganze Sendung hinweg aushalten. Kann sein, ich war deshalb so unkonzentriert (auch wenn ich eigentlich immer noch das Hotelbett verdächtige. Ich hasse Hotelbetten). Einziger Lichtblick waren jedenfalls die beiden niedlichen Kameramänner. Aber die müssen sich um ihr Bindegewebe auch erst in frühestens fünfzehn Jahren Gedanken machen.
LZ

Mittwoch, 6. Juli 2011

Rico, Oskar und die Technik

Gestern gingen die zweiten (und letzten) Korrekturfahnen für Rico, Oskar und der Diebstahlstein über den Tisch. Im Lektorat selber gab es eigentlich kaum etwas zu tun (bis auf eine kleine Debatte über politische Korrektheit, in der ich mich zuletzt geschlagen gab), auf der technischen Seite aber umso mehr. Für diejenige, die so etwas interessiert:

Den wenigsten Lesern wird es auffallen, aber in allen Rico-Bänden endet jedes Kapitel auf einer linken Buchseite. Rechts gegenüber beginnt dann jeweils das nächste Kapitel mit einer Illustration. Es ist fast unglaublich, aber diese Links-Rechts-Ausrichtung hat sich bei Band 1, also den Tieferschatten, einfach passend so ergeben. Weshalb meine Lektorin und ich dann einigermaßen überrascht (und nachfolgend entsetzt) waren, als die Herstellungsleitung verkündete, im Herzgebreche sei dies leider nicht mehr der Fall: Es endeten Kapitel auf einer rechten Buchseite, mithin wäre nach dem Umblättern die linke Seite leer, die Illustrationen gegenüber hingen also in so einer Art ästhetischer Luftleere.



Was bedeutete: Jene Kapitel, die rechtsseitig endeten, musste ich wahlweise kürzen oder verlängern, um sie linksseitig endend hinzukriegen. So etwas ist schon unter normalen Voraussetzungen ätzend, denn hätte ich mehr (oder weniger) schreiben wollen, hätte ich das schließlich getan. Das Ärgernis wurde noch dadurch verkompliziert, dass die Lexikon-Kästchen ebenfalls nicht getrennt sein dürfen. Und wer jetzt glaubt, na ja, das kriegt man doch irgendwie hin, der musste vor so einer Aktion nicht die Fahnen von so genannten Hurenkindern säubern, die ihr Scherflein zum allgemeinen Verschiebe-Chaos beitragen. Ganz großes Kino.

Auf diese Weise entstand zum Beispiel die Ode bzw. die Odu an Porsche im Herzgebreche, und im neuen Buch kamen zwei Lexikon-Kästchen hinzu. Was rausgeworfen wurde, habe ich schleunigst vergessen … so etwas schmerzt dann doch immer ein wenig. Den Rest erledigen die in ihrer Höhe anpassbaren Vignetten der Bingokugeln zwischen den Szenen innerhalb eines Kapitels.

Und wie auch immer: Rico, Oskar und der Diebstahlstein ist endgültig im Kasten, geht soeben in Druck, wird mit stolzen 330 Buchseiten wieder herauskommen und Ende September im Buchhandel aufschlagen, einmal mehr versehen mit den großartigen Schössow-Illustrationen, von denen, neben dem Titelbild, eine bereits hier zu bewundern ist. Eine Leseprobe (zum Herunterladen als PDF, da ist auch noch eine Illu bei) gibt es unter diesem Link. Ende Juli lese ich das Hörbuch ein; es erscheint dann zeitgleich mit dem Hardcover.


Und das war's mit den Jungs. Okay, fast ... Ich hatte ja mal angedacht, vier Bände zu verfassen, des großen inhaltlichen Umfangs wegen. Aber die Story, die den ursprünglichen dritten Band ausgemacht hätte, wäre recht kurz gewesen, die vierte unverhältnismäßig länger. Weshalb die unterschlagene dritte Story im jetzigen Band 3 nur kurz angerissen wird, und zwar unter Ricos Hinweis darauf, das dazugehörige Tagebuch sei sowieso "nach den Kampfhandlungen verloren gegangen". Schick, oder? Falls meine Rente mal knapp wird, haue ich dann einfach Ricos verlorenes Tagebuch raus und kann mir eine schicke Herz-Lungen-Maschine im Steampunk-Design leisten.
LZ

Donnerstag, 16. Juni 2011

Froschgemaule

Das Knutsch-Abenteuer der pummeligen kleinen Maria, Heldin meiner Kurzgeschichte Froschmaul, hat es inzwischen auf zwei Verfilmungen gebracht. Bereits 1998 nahm Cornelia Grünberg (die drei Jahre zuvor schon Paul Vier in Spielfilmlänge gedreht hatte) sich des Stoffes an. Damals hieß mein Text noch Gekidnapped!, weil der Verlag, für den ich ihn ursprünglich verfasst hatte, Froschmaul politisch nicht korrekt genug war. Cornelia Grünberg fand beides nicht passend und nannte ihren – sehr schönen, sehr hollywood-mäßig ausgeleuchteten – Film First Kiss.



Inzwischen ist meine Story umbenannt, in Froschmaul eben, wie ich es immer haben wollte. Die Neuverfilmung von Sarah Winkenstette heißt allerdings jetzt Gekidnapped. Das ist ein klein wenig verwirrend, ändert aber nichts an einem – hoffentlich! – schönen Kurzfilm, zu dessen Teampremiere morgen in Köln ich die Daumen drücke.
LZ

Freitag, 3. Juni 2011

Rico, pfundweise

Bisher habe ich mir verkniffen, hier eine Liste all der großen und kleinen Literaturpreise einzustellen, die Rico und Oskar eingesackt haben. Ich freue mich einfach darüber. Aber vorhin habe ich eine Mail aus dem Spam gefischt, irgendwo zwischen Gewichtsreduzierung und Potenzerhöhung, deren Inhalt ein wonniges kleines Glückgefühl in mir ausgelöst hat: The Pasta Detectives (die wirklich ganz wunderbare Übersetzung der Tieferschatten ins Englische durch Chantal Wright) hat bei den diesjährigen Nasen Awards in der Sektion Inclusive Children's Book abgeräumt und den ersten Platz gemacht.

Mit Riechorganen hat Nasen nichts zu tun. Das Akronym steht für National Association for Special Educational Needs; Nasen ist "the leading organisation in the UK which aims to promote the education, training, advancement and development of all those with special and additional support needs."


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Inklusion oder, enger gefasst, inklusive Bildung, ist ein Thema, über das bei uns viel und heftig debattiert wird (während die Briten, hübsch pragmatisch, bereits Literaturpreise dafür ausloben). Die UNESCO hat sich die Inklusion auf die Fahnen geschrieben; betroffen sind in Deutschland etwa 400.000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Rico wäre einer von ihnen. Ich sollte ihn in die Eisdiele einladen. Der Preis ist immerhin dotiert. Und es gibt ja Pfunde, um die man gerne zunimmt. Als hätten die Spammer das geahnt …

LZ

Samstag, 21. Mai 2011

Lesung zu gewinnen

Anlässlich des Taschenbuch-Starts von Rico, Oskar und die Tieferschatten haben der Carlsen Verlag und amazon ein Gewinnspiel gestartet. Als erster Preis winkt eine Lesung für eine Schulklasse mit dem Autor (der wäre ich), obendrauf oder untendrunter gibt es dazu einen Klassensatz von 30 Exemplaren des Titels. Als zweiter und dritter Preis winken dann nochmals zwei Klassensätze des Taschenbuchs.

 

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Die Lesung findet am 8. Juni statt. Sie wird aufgezeichnet und kann dann (jedenfalls in Teilen, glaube ich) auf den Seiten von amazon angeschaut werden. Damit jeder weiß, was er verpasst hat. Oder was ihm erspart geblieben ist.

Falls niemand mitmacht, bleibe ich am 8. Juni zu Hause und lese mir selber was vor.

Update: Ähem … Der Einsendeschluss fürs Gewinnspiel ist bereits morgen (22. Mai). Als Zeugnis meiner abgrundtiefen Blödheit lasse ich diesen Artikel trotzdem stehen. Ist ja immerhin noch ein Tag Zeit, und die Preisfrage ist, wie ich soeben gesehen habe, leicht zu beantworten. Also, liebe Lehrer: Ran an den Speck!

LZ

Sonntag, 15. Mai 2011

Poetikvorlesungen in Oldenburg

Vor lauter "erst hab ich Angst, zu wenig Text hinzukriegen, und jetzt hab ich Angst, es könnte zu viel sein" habe ich fast mein Versprechen vergessen, diese – also, eigentlich schon letzte – Woche hier noch etwas zu posten. Daher in aller Kürze, aber immerhin:

Wer Lust darauf hat, besagten angstbesetzten Text zu hören, sollte am Mittwoch nach Oldenburg kommen. Auf Einladung der dortigen Universität habe ich die diesjährige Poetikprofessur für Kinder- und Jugendliteratur übernommen. Im Rahmen von insgesamt drei Vorlesungen werde ich (im Bibliothekssaal, Campus Haarentor) Einblick geben in … in was überhaupt? Grundsätzlich geht es um die Poetik meiner Bücher und Kurzgeschichten, die sich aber besser erschließt aus einem Wissen um meine biographischen Hintergründe. Der Steinhöfel lässt also erstmal die Hosen runter (im übertragenen Sinne, bitte sehr – auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann, möchte ich später doch keine Beschwerden von eventuell aus Bayern angereisten Fans hören, ich hätte mich nicht so entblößt wie von ihnen erwartet).


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Also, das Biographische, und wie es sich im Bibliographischen versteckt, ist am 18. Mai Thema der ersten Vorlesung Peter Pan, grün und blau – Zum Einfluss von Innen. Dem Kern der ganze Aktion, also einer gründliche Selbstbetrachtung meiner Poetik, ist die zweite Vorlesung gewidmet: Am 9. Juni heißt es Hoffentlich ins Herz – Zum Einfluss von Außen. Und was mir Verleger, Kritiker und Leser mit ihren teils doch recht unterschiedlichen Ansprüchen an mein Schreiben bedeuten, werde ich am 29. Juni unter dem Titel Machen Sie mal einen Punkt! – Zum Einfluss vom Rand verkünden. Falls sich in diese dritte Vorlesung überhaupt noch jemand verirrt. Eintrittsgeld kann nicht rückerstattet werden, da erst gar keines erhoben wird, der Spaß ist also umsonst (wenn auch hoffentlich nicht vergebens) und steht jedem, also auch nicht-universitären Besuchern, offen.

Und jetzt wasch ich noch schnell ein paar T-Shirts, denn unmittelbar vor dem Besuch in Oldenburg bin ich in Hamburg, um das Lektorat für Rico, Oskar und der Diebstahlstein unter Dach und Fach zu bringen. Mehr dazu – und zu meinem letzten Hamburg-Besuch vor zwei Wochen anlässlich der dortigen, ganz und gar wunderbar geratenen Theaterpremiere der Tieferschatten – irgendwann demnächst. Jedenfalls dieses Jahr noch …
LZ

Donnerstag, 5. Mai 2011

Also echt!

Eigentlich wollte ich erst demnächst den Blog mal wieder aufpeppen, mit News und so … wenn noch etwas mehr Ruhe eingekehrt ist. Rico, Oskar und der Diebstahlstein (vor allem letzterer) sind noch nicht feingeschliffen, mithin auch noch nicht lektoriert, es stehen außerdem noch ein paar andere Sachen an, die ich erst vom Tisch haben wollte.

Nun das: Irgendein – wie es aussieht immerhin wohlmeinender – Mensch betreibt bei Facebook einen Account unter meinem Namen. Mit passendem (wenn auch fürchterlichem) Foto und so weiter. Plus Auszügen aus diesem Blog, die dem ganzen Scheiß einen Hauch von Authentizität verleihen.

So weit, so unverschämt. Denn da melden sich zum Beispiel auch Menschen, die ich kenne, und die warten auf Rückmeldung. Die ich nicht geben kann, weil ich definitiv nicht vorhabe, mich der Facebook-Gemeinde anzuschließen. Schon deshalb, weil es noch ein Kanal mehr wäre, über den Schüler mir ihre Hausaufgaben schicken würden …

Also, lieber wohlmeinender Mensch: Lösch diesen Blödsinn! Not funny! Ich hab weder Zeit noch Lust, das selber in die Wege leiten zu müssen. Auch wenn mir notfalls nichts anderes übrig bleibt.
LZ