Sonntag, 28. August 2011

Dirk und ich - Jubiläum und Gewinnspiel

Diesen Herbst wird Dirk und ich, mein erstes Buch, zwanzig Jahre alt. Anlass genug, dem Titel einen eigenen Geburtstags-Beitrag zu widmen; Anlass auch für ein kleines Gewinnspiel.

Zur Entstehung von Dirk und ich (und damit zu meiner Entstehung als Autor) habe ich dieses Frühjahr in Oldenburg, im Rahmen meiner Junior-Professur, bereits weiter ausgeholt. Hier, aus Bequemlichkeit, ein gekürzter Auszug aus der entsprechenden Vorlesung:


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"Es ist eine Hollywood-Geschichte, aber sie ist zu einhundert Prozent wahr, was Sie schon daran erkennen werden, dass sie so unwahrscheinlich klingt: Mein zwei Jahre jüngerer Bruder Dirk wollte Illustrator werden und bemühte sich um einen Job. Vom Carlsen Verlag in Hamburg erhielt er einen Probeauftrag. Carlsen war damals, vor 20 Jahren, ein sehr kleiner Verlag, bekannt eher für Comics, für die quadratischen kleinen Pixi-Heftchen und wegen seiner Bücher für Leseanfänger. Harry Potter lag noch in ebensolcher Ferne wie Bella und Edward und Biss der Arzt kommt.

Mein Bruder gab mir den Text, den er probeillustrieren sollte. Ich möge mal reinschauen, Stellen aussuchen, die sich meines Erachtens für eine Illustration anboten. Ich schaute rein. Der Text war das Letzte. Ein pädagogisch bemühter Krampf, der kindliche Leser nicht nur manipulieren sollte, sondern der darüber hinaus auch noch ihre Intelligenz beleidigte. (…)

Noch am dieser Lektüre folgenden Abend verfasste ich, aus Wut über so viel Kindern gegenüber aufgebrachte, geradezu mittelalterliche Arroganz, die erste Kurzgeschichte meines Lebens. Schickte sie an Carlsen, hörte ein halbes Jahr lang gar nichts, was nicht schlimm war, denn nach einem Vierteljahr hatte ich den Spaß innerlich ad acta gelegt und vergessen. Dann Rückmeldung des Verlags mit der Anfrage, ob ich mir noch mehr solcher Geschichten zutraue; schließlich ein Vertrag. Parallel zu meiner Magisterarbeit begann ich die Arbeit an Dirk und ich, meinem ersten Buch, und es ist von nicht sonderlich feiner Ironie, dass mein Bruder Dirk, dem ich somit meinen Beruf zu verdanken habe, zwanzig Jahre benötigte, bis seine eigene Berufung sich endlich erfüllte. Im Herbst 2011 erscheint sein erstes großes Bilderbuch."


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Zu besagtem Bilderbuch meines Bruders erstelle ich (weil es auf einer meiner liebsten Übersetzungen basiert, aber natürlich auch aus überbordendem Bruderstolz) demnächst einen eigenen Beitrag. Zu unserer gemeinsamen Kindheit schweige ich mich hier lieber aus. Sie war, das stand im Zentrum der Oldenburger Vorlesung, ganz und gar nicht komisch – Dirk und ich ist die Bebilderung einer Wunschkindheit, in etwa so autobiographisch, als hätte ich ein Buch über unsere erste Reise zum Mars verfasst.

Wie auch immer: Für den Stil der lose aneinander gereihten Geschichten standen zwei von mir heiß geliebte Kinderbuchklassiker Pate, die mir und meinen Mitschülern in der Grundschule vorgelesen worden waren. Das eine war René Goscinnys Der kleine Nick. Selbstredend ist der französische Klassiker das weitaus bessere Buch; spannend finde ich aber heute noch, wie unaufgeregt und gemächlich der Nick eigentlich daher kommt, mir aber seine Erzählungen in Erinnerung geblieben sein müssen als das größte literarisch gerade noch darstellbare Durcheinander, das Kinder anrichten können. Da dennoch einen drauf zu setzen, blieb der Grünen Wolke von A.S. Neill überlassen (bereits hier im Blog erwähnt). Ganz offenbar habe ich von dort die anarchische kindliche Lust an Zerstörung und Chaos übernommen.


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Und da diese Lust nie ausstirbt, erfreut sich Dirk und ich seit zwanzig Jahren gleich bleibender, inzwischen sogar noch weiter wachsender Beliebtheit (die vermutlich dem Erfolg eines neueren Pärchens, nämlich Rico und Oskar, zuzuschreiben sein dürfte). Aktuell erhältlich ist sogar eine englische Ausgabe mit Vokabelhilfe, und wer sich den Spaß als Hörbuch antun will, darf zwischen den einzelnen Geschichten kurzen (und hoffentlich kurzweiligen) im Hamburger Tonstudio geführten Gesprächen zwischen Dirk und mir lauschen, wie wir über unsere Kindheit und den Wahrheitsgehalt des Buches räsonieren.

Nach seiner Veröffentlichung hielt mich der Titel eine Weile auf Trab. Zunächst war da die Angst, womöglich den Nerv kindlicher Leser nicht getroffen zu haben. Sie wurde mir, erfreulicherweise, schnell genommen: Zum Erscheinen des Buchs hielt ich eine Lesung – meine erste überhaupt – im Spiegelzelt der Frankfurter Buchmesse. Vor mir saß, in der ersten Reihe, ein etwa achtjähriger Junge, der irgendwann original vor Lachen rückwärts von der Bank kippte, also ziemlich genau das tat, worauf ich hingeschrieben hatte: Sich zu amüsieren wie Bolle auf dem Milchwagen. Diesem Kerlchen bin ich heute noch dankbar, denn jede folgende Autorenlesung absolvierte ich seither mit Nonchalance und Selbstbewusstsein.


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Erwachsene betrachteten Dirk und ich ungleich kritischer. Ich erhielt entsetzte Briefe – zu fast einhundert Prozent von Lehrern –, die der bewusst kindlich gehaltenen (und damit von syntaktischen und grammatikalischen Fehlern nur so strotzenden) Erzählform nichts, aber auch gar nichts abgewinnen konnten. Und Zähne knirschend gab ich ihnen Recht; nicht aus Verkaufs-Kalkül, sondern weil ich das Argument einleuchtend fand, dass man als Kinderbuchautor eine gewisse Verantwortung seinen jungen Lesern gegenüber hat, und sei es nur eine sprachliche.

Als das Buch in die was-weiß-ich-wievielte Auflage ging, entschloss ich mich daher, in Abstimmung mit dem Verlag einige Änderungen am Text vorzunehmen. Wohl gemerkt, keine inhaltlichen – als so schwer wiegend empfand ich meine Verantwortung dann doch nicht. Aber auf syntaktischer und grammatikalischer Ebene wurde der Gemüsegarten des Grauens ein wenig gerodet – sollte mir keiner vorwerfen, zarte Leserseelen hätten nach Lektüre der intolerablen Verquickung von indirekter Rede mit inkorrekten Zeitenfolgen inoperable Schäden davongetragen. Damals konnte ich nicht ahnen, dass bald darauf die Rechtschreibreform viel schlimmere Schäden anrichten würde. Die Arbeit hätte ich mir also eigentlich schenken können.


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Was mich aber nach wie vor freut: Neben diesen Ausbesserungsarbeiten kam es auch zu einer Erweiterung von Dirk und ich um eine (nämlich die letzte) Geschichte, die zwar im Manuskript bereits existiert, bis dato dem Buch aber gefehlt hatte: Meine damalige Lektorin war der Auffassung gewesen, das Buch sei zu lang, es flögen ohnehin schon genug Kinder und Haushaltsgeräte durch die Gegend und jene letzte Geschichte sei sowieso nicht sonderlich witzig … weshalb ich für eine lange Weile vor einem nicht nur – in meinen Augen – kastrierten Buch stand, sondern auch vor einem, dessen Ende merkwürdig in der Luft hing. Die seit der Korrekturfassung inzwischen den Abschluss des Buchs bildende Geschichte bereicherte Dirk und ich endlich um genau jenes Sonnenuntergangs-Ende, das ich schon immer als passend empfunden hatte.

So, und wer jetzt Lust bekommen hat auf ein von mir noch zu signierendes, seit zwanzig Jahren geschützt in Plastikfolie verpacktes, praktisch also nagelneu daher kommendes, tatsächlich aber seltenes Exemplar der Erstauflage meines allerersten Buches (also mit der Text-Urfassung, dafür aber um eine Geschichte kürzer als die aktuelle Fassung), sende bitte eine Mail an diese Adresse: dirk.und.ich[Klammerzeichen]online.de

Als Betreff bitte den Titel jener Dirk und ich hinzugefügten, letzten Geschichte angeben. Text muss keiner in der Mail stehen, auch keine Adresse – den gefälligst glücklichen Gewinner/die Gewinnerin werde ich dann einfach antickern. Einsendeschluss ist der 30. September 2011. Viel Glück!
LZ

Kommentare:

Legopard hat gesagt…

Was für eine famose Idee! :-)

Harald Seiwert hat gesagt…

20 Jahre, kaum zu glauben. Ich kann mich noch gut an die Entstehungszeit erinnern und auch an die grandiose erste Lesung im Zelt der Buchmesse.

Gin hat gesagt…

Wir haben das Buch es ist echt cool ich kanns nur empfelen!

ANDREAS STEINHÖFEL hat gesagt…

Hi Harald - danke fürs Zeitzeugentum :)))

Nina hat gesagt…

Guten Abend,

heute stolperte ich über Ihren Blog und stöberte freudig, inwieweit hier etwas über "Dirk und ich" zu finden sei.

Es ist unser (uns = meine Kinder und ich) liebstes Buch, das wir schon viele Male miteinander gelesen haben und das uns immer in die Ferien begleitet.

Dafür wollte ich ganz schnöde "Danke" sagen, auch wenn es vielleicht albern klingt.

Alles Gute für Sie. Und danke also. Nina

ANDREAS STEINHÖFEL hat gesagt…

@Nina:
Danke ebenfalls ... und Gruß an die Kiddies :))))