Donnerstag, 22. April 2010

Zurück in die SteinZEIT

Es stand schon einmal zur Debatte und wurde abgewendet; nun ist es doch passiert: Die ZEIT schubst das Kinder- und Jugendbuch aus dem Feuilleton (wo es ohnehin nur, aber immerhin doch alle vier Wochen sein Haupt erhob) in ihr KinderZEIT-Anhängsel. Der Literaturpreis LUCHS wandert gleich mit. Und ich wundere mich noch naiv, was aus dem Online-Auftritt der entsprechenden Seiten geworden ist …


Da ich momentan hochtourig auf Lesereisen bin, erspare ich mir jeden Kommentar (ich bin selbst für Zynismus zu müde und muss morgen wieder früh raus) und verweise hier lediglich auf gleich zwei offene Briefe an die ZEIT. Den einen hat die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) verfasst, den anderen, bereits zuvor, meine schöne und schön streitbare Kollegin Jutta Richter im Namen vieler bekannter Autoren und Illustratoren. Ob's was fruchtet … wir werden sehen.

Ich fühle mich besonders betroffen, weil ich drei Jahre lang der LUCHS-Jury angehörte. Mir unverständlich, warum die derzeitigen Juroren nicht geschlossen von ihrer Arbeit zurückgetreten sind. Vielleicht hoffen sie auf bessere Zeiten. Dann war wenigstens nicht nur ich naiv.

Donnerstag, 8. April 2010

Klick-Bildung

Fragt sich irgendwer, wo meine Kolumne ZEIT-Abschnitte abgeblieben ist? Vermutlich niemand außer mir, macht aber nix. Ich wollte die Sparte trotzdem ein wenig aufpeppen, schließlich erscheinen in des deutschen Bildungsbürgers wöchentlich herausgegebenem Lieblingsbackstein hin und wieder feine Artikel zur Kinder- und Jugendliteratur. Allerdings, wie es aussieht, nur in der Print-Ausgabe. Online ist es damit, zu meinem Erstaunen wie zu meiner Verärgerung, so gut wie Essig.

Anlass genug, sich umzuschauen, wie neben der ZEIT andere überregionale Platzhirsche die Sache mit dem Kinder- und Jugendbuch handhaben. Schließlich wird jedes dieser Medien nicht müde, in regelmäßigen Abständen anzumahnen, wie wichtig Kultur und Bildung für die Kleinen und Heranwachsenden seien, wenn unser Planet nicht demnächst mit einem Salto über den gelben Doppelbogen Hops gehen soll. Und dass da das LESEN irgendwie dazugehört. Offenbar aber nur dann, wenn es ausreichend Klicks produziert. Denn so sieht's aus:


ZEIT Online

Vom Link auf der Hauptseite zur Kultur geht es, schön praktisch, umweglos ab in die Literatur. Aber nur in die für die Großen. Über die rechte Sidebar kommt man weiter zum LUCHS, aber auch nur zu dem. Die Hoffnung, irgendwelche anderen als LUCHS-bezogene Artikel zum Kinder- und Jugendbuch zu finden, kann man knicken. Nun ist der LUCHS eine ganze Menge mehr als nichts. Aber er ist eben auch nur: Ein Literaturpreis. Nicht gepreiste oder außerluchsig gepriesene Kinderbücher oder gar Artikel haben bei ZEIT-Online keine Chance.

FR-online.de (Frankfurter Rundschau)

Bei der Frankfurter Rundschau muss man sich via Startseite → Kultur& Medien → Literatur (nein, dort noch keine passenden Einträge) zum hauseigenen, in der rechten Sidebar auf sich aufmerksam machenden Literatur.Magazin vorkämpfen, um dort, mit etwas Glück, eine aktuelle Rezension zum Kinder- und Jugendbuch zu erhaschen. Direkte Verlinkung: Fehlanzeige. Der Fairness halber soll aber gesagt sein, dass eine solche aber auch zu anderen Sparten (Belletristik, Sachbuch) nicht existiert.


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sueddeutsche.de (Süddeutsche Zeitung)

Man muss lange suchen, um zuletzt nichts zu finden: Der Online-Ableger der Süddeutschen hat offenbar nicht mal eine Literaturseite. Zwar verlinkt die Hauptseite zur Kultur, so ganz allgemein, aber damit hat es sich dann auch schon. Lange nach der Leipziger Buchmesse findet sich ein aktueller Link zur Leipziger Buchmesse, wo aber offenbar das Kinder- und Jugendbuch auch nicht stattgefunden hat. Ansonsten besteht Kultur bei sueddeutsche.de aus belanglosen Videoschnipseln (Das Leben der Anderen … nein, nicht der Film), Kino (doch der Film) oder der Kolumne Deutscher Alltag, in dem das Buch und das Lesen aber auch keine große Rolle zu spielen scheint. Ich sag mal: Wow!

FAZ.Net (Frankfurter Allgemeine)

Von der Hauptseite kommt man über Feuilleton → Bücher zu allem, was es in der Heimstatt des geschätzten Herrn MRR zur Literatur zu sagen gibt. Das Kinder- und Jugendbuch braucht keinen Extralink, denn es findet sich - und das ist sehr schön, wenn auch unübersichtlich - in die restliche Lesewelt integriert. (Beim heutigen Stöbern stieß ich übrigens auf ein hübsches aktuelles Interview mit meinem englischen Verleger Barry Cunningham.) Leicht verbesserungswürdig, aber wenn schon mehr als wenig, dann wenigstens so.

Welt Online

Über die Kultur geht es zur Literarischen Welt, und dort sieht es ähnlich aus wie bei FAZ.net: Das Kinder- und Jugendbuch scheint eingereiht. Ob dem tatsächlich so ist, vermag ich schwer zu sagen, denn aktuell finden sich nur zwei zielgruppengerechte Links; der eine zu Biss der Arzt kommt und ein weiterer zum frisch gehypten Potter-Twilight-Klon Gezeichnet. Weil der Deutsche, auch der deutsche Teenager, dann eben doch alles kauft, wenn es bloß Spaß macht. Nur bitte nicht mehr, ginge es nach der WELT, Fräulein Hegemanns teilweise selbst geschriebenes Epos um die mexikanische Dauerlarve. Was mir die WELT richtig sympathisch macht.



Ende der kleinen Übersicht. Es irrt der Mensch, solang er strebt, wusste schon der Herr Geheimrat G. Weshalb ich für eventuelle Recherche-Fehler kniefälligst um Entschuldigung bitte und dazu auffordere, mir selbige (die Fehler) über die Kommentarfunktion nahe zu bringen, auf dass ich die eine oder andere der dargestellten Online-Präsenzen unverzüglich exkulpieren kann.

weiß

Dienstag, 6. April 2010

Dresdner Schattenspiele

Ein kleiner Nachtrag in Bildern zur Bühnenfassung von Rico, Oskar und die Tieferschatten, die bereits im Oktober 2009 im theater junge generation Dresden Premiere hatte. Den TEXT dramaturgisch bearbeitet und in spielbare Form gebracht hat die wunderbar praktische Felicitas Loewe, in Szene gesetzt wurde der Spaß von Philippe Besson.

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Beeindruckt hat mich vor allem das Bühnenbild von Henrike Engel: Ein gigantischer Stadtplan von Berlin, an den Falznähten aufgeklappt und hochkant gestellt. Auf gleich zwei Ebenen, die obere durch Planken und Geländer miteinander verbunden, bot sich damit nicht nur ordentlich Spielfläche, sondern auch Platz für allerlei unvorhergesehene Gimmicks, wenn hier eine Tür sich öffnete, dort eine Herdplatte aus der Wand gezogen wurde oder aber ein Stück Plan nach vorn klappte, um das Versteck des Entführers zu zeigen.


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Die Tieferschatten selber waren super in Szene gesetzt; ein düsteres, von hinten ausgeleuchtetes, riesenhaftes Schattenspiel, unterlegt mit feiner Gruselmucke von Bernd Sikora. Als zentrales Requisit reichte Ricos ebenfalls verstadtplanter Nachdenksessel aus. Das Ensemble gefiel mir ebenfalls; höchstens dass Oskar größer war als Rico und tiefbegabter rüberkam als der irritierte mich ein wenig. Aber, hey, das nennt sich Freiheit der Kunst, und wer würde sich ernsthaft beschweren, wenn die Kiddies im Publikum abgehen wie die Zäpfchen?


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Freitag, 2. April 2010

Wie war es grau und schwer in der Welt …

'Abends bekam er, wie nach jeder demütigenden Schlägerei, zum Trost ein Märchen vorgelesen. Jeder der Geschichten, die mit und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende endeten, fügte die Großmutter regelmäßig hinzu: Aber am Schluss, ganz am Schluss, waren sie dann doch alle mausetot! Dieses angefügte Ende gefiel Duda überhaupt nicht, und er bezweifelte, dass es den Brüdern Grimm oder dem netten Herrn Andersen aus Dänemark, von dem seine liebsten Märchen stammten, gefallen hätte.'

(Aus dem Äther, erschienen in Froschmaul)

Vielleicht aber doch, auch wenn ich meinen eigenen Helden nur ungern widerspreche. Und vielleicht irrt Duda bloß, weil niemand es wie HANS CHRISTIAN ANDERSEN vermochte, die häufig depressive Grundstimmung seiner Geschichten durch die - nur vordergründig schlichte - Schönheit seiner Erzählsprache gleichsam wieder aufzufangen. Die meisten der bekannten Kunstmärchen Andersens sind, wie jedes gute Märchen, Entwicklungs- und PUBERTÄTSDRAMEN; ihren Zauber macht das in sie verwobene unterschwellig Archetypische aus; ihre Unsterblichkeit, dass sie unter dem Tasten unseres analytischen Verstandes zu leblose grauer Asche zerfallen mögen, sich aber, kaum wenden wir ihnen den Rücken zu, wie ein strahlender Phönix wieder daraus erheben.


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Als Kind liebte ich den Andersen-Märchenband aus dem Ueberreuter Verlag mit den aquarellierten Illustrationen des leider viel zu früh verstorbenen Janusz Grabianski (zu dem auch mal ein Blog-Beitrag fällig wäre.) Als Erwachsener legte ich mir eine sauteure englische Ausgabe mit den magisch-schönen Bildern von William Heath Robinson zu, außerdem Andersens Schräge Märchen aus der Anderen Bibliothek. Die man unbedingt lesen sollte, wenn man sich ein differenzierteres Bild des dänischen Autors machen will, der heute vor 205 Jahren geboren wurde.

weiß

Donnerstag, 1. April 2010

Nussgeschmack

Vorgestern besuchte ich die beste Freundin. Sie ist eine ausgesprochene Bilderbuch-Liebhaberin (das meint auch ihr treuer Gatte) und zu meiner Überraschung entdeckte ich bei ihr den Lari Fari Mogelzahn vom Janosch. Das Büchlein lag mutterseelenallein auf jenem Beistelltisch, der alles beherbergt, was bei der besten Freundin in Ungnade gefallen ist und deshalb demnächst verschenkt oder ins Antiquariat abgeschoben wird.


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Die beste Freundin würde mir niemals ein Buch vom Beistelltisch unterjubeln. Stattdessen hält sie in Antiquariaten und auf Flohmärkten Ausschau nach Preziosen, die mir eventuell unbekannt sind, aber mein Gefallen erregen könnten, und so schenkte sie mir dieses Mal zum Abschied ein Büchlein von John Burningham, zur Weitergabe an meine Nichte: Im Schnee. Kannte ich noch nicht. Den Burningham schon. Weshalb er demnächst einen Extra-Beitrag kriegen muss, denn um eines seiner Werke rankt sich ein zartes nostalgisches Trauma meinerseits.

Doch zurück zum Mogelzahn: Ich weiß nicht mehr, wie ich als Kind an den kam. Von Eltern oder Verwandten dürfte ich ihn nicht geschenkt bekommen haben; denen wäre schon der progressive, grell orangenfarbene Einband suspekt gewesen. Wohl eher von der Patentante, einer um mein literarisches Wohl besorgten Bibliothekarin aus dem fernen Reutlingen, die Jahre später mal weit über ihren Schatten sprang, als sie – da war ich schon Teenager und hegte eine Vorliebe für billige Phantastik – mir eine Anthologie guter Horrorgeschichten schenkte. Hardcover.

Aber als Kind … Ich mochte dieses orangefarbene Buch nicht. Leider besaß ich nicht so viele Bücher, als dass ich es mir hätte leisten können, den Mogelzahn nicht zu lesen, ihn sogar mehrfach zu lesen, weil ich mir ja nicht alle zwei Wochen Jim Knopf aus der (heute noch) beklagenswert schlecht ausgestatteten Bibliothek meiner Heimatstadt leihen wollte.

gnu-free-Bundesarchiv_DH_2_Bild-A-00867,_KinderzimmerschrankUm es brutal auszudrücken: Der Lari Fari Mogelzahn hatte so ziemlich alle Qualitäten, die ich heute noch an Kinderbüchern scheiße finde. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass der Mogelzahn meinen Geschmack überhaupt erst prägte, mithin also der Janosch dafür verantwortlich ist, dass ich ein Kinderbuchautor geworden bin, denn ich wollte es ja besser machen. Nicht besser als der Janosch – ich werde mich hüten, blasphemisch zu werden und es besteht dazu auch kein Grund, denn viele seiner Werke finde ich großartig. Aber auch nicht so … so … so offenkundig hintenherum.

Jeder weiß, dass die meisten Kinder Gedichte mögen, dass sie gern mit Sprache spielen und sich totlachen können über Wortverdreher, über alliterativen Nonsens oder sprechende Namen. Es werden, immer noch und immer wieder und Gott sei Dank, jede Menge Bücher verfasst für solche Kinder. Aber zu diesen Kindern gehörte ich nicht. Ich war ein ernstes Kerlchen, damals wie heute rationaler, als es gut für mich war, erfüllt von einer ausgesprochenen Abneigung gegen plakativen, sich anbiedernden Humor. Das Krokodil Belebamfidelradatz mit seinem Kind Belebamfidelradieschen war …. nicht witzig! Das Gedicht gleich auf der ersten Seite: nicht witzig, und sowieso holperte die Schlusszeile, und wo wir schon beim Holpern waren, so überlegte ich damals, sollten Verlage gefälligst Leute einstellen, die sich um vom Autor übersehene Logikfehler wie den folgenden kümmern sollten:

Kaum hat Lari Fari zu Ende gesungen [das Geholper nämlich], da kommen aus der geheimnisvollen Kiste die anderen Spielzeugleute und werden lebendig.

Ein Lektor hätte mich vielleicht auch darüber aufklären können, warum der Janosch mitten im laufenden Text die Zeiten wechselte, vom Imperfekt zum Präsens und wieder zurück, meistens dann, wenn der quasselige Tintenkapser eins vom Fidelbär auf die Mütze kriegen sollte. Einfach so. Ich hatte es nicht so mit Grammatik, aber das hier, beschloss ich, war eindeutig falsch.

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Noch schlimmer wog, dass ich ein moralisch unbestechliches Kind war, weshalb ich den ehrlichen Löwen Hans, der dem Mogelzahn regelmäßig androht, ihn aufzufressen, sobald er ihn bei einer Lüge ertappt, als erstunken und erlogen empfand, weil das Leben mich längst gelehrt hatte, dass es ohne Lügen nicht geht, bestimmt auch nicht bei einem Löwen, auch wenn der Janosch sich den gut ausgedacht hatte: Wenn überhaupt, musst du sehr stark sein, um auf der Wahrheit beharren zu können.

Warum, um alles in der Welt, las ich dann immer wieder dieses Buch? Weil es nicht nur doof, sondern auch toll war. Den Standardsatz des Nussknackers, sein berühmtes "Aber dann kam ich!", wann immer er zuvor eine eigentlich unlösbare Situation ersponnen hatte, fand ich toll. Ich mochte den kaputten Hund mit den drei Beinen und ohne Schwanz, der immer weinen muss, wenn der Fidelbär so schön fiedelte. Mir gefiel der Humor der Story immer dann, wenn er ins Absurde glitt, wie bei der Beschreibung eines Diebs, der mal ohne Mütze herumging, "dann wieder ohne Hut. Oder er hatte keinen angeklebten Schnurrbart im Gesicht." Und ohne zu hinterfragen, wie ihm das gelang, gefiel mir außerdem, wie der Janosch mit seiner auktorialen Erzählweise mich zum Komplizen des lügenden Nussknackers machte: Als der Mogelzahn dem ehrlichen Löwen Hans auftischt, er habe früher Mehl gemahlen mit seinem Mehlmahlegebiss, präsentiert er ihm zum Beweis den Rücken: "Es rieselte ihm hinten etwas Mehl heraus. Aber das war von einem Holzwurm."

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Trotzdem hätte ich gern gesehen, dass der Mogelzahn vom Löwen verputzt wurde. Er trug einfach zu dick auf. Er log, um Himmels willen, und schaffte es dabei auch noch, den ehrlichen, aber leider strunzdummen Hans immer auch noch so zu verarschen, dass der jede Lüge für bare Münze nahm! Dass diese Lügen, wie jede künstlerische Fiktion, den Kistenbewohnern wie dem Leser vornehmlich der Unterhaltung dienen sollten, war mir egal. Der Mogelzahn log und, bei aller damit einhergehenden überbordenden, stellenweise mich überfordernden Phantasie, bei allem Spaß, den ich damit hatte: Er kam mit seinen Lügen auch noch davon!

Das passte zum Duktus der neuen Kinderliteratur der beginnenden Siebziger. Kinder andere Haltungen einnehmen lassen, ihnen die Welt öffnen, sie direkt ansprechen, sie sensibel machen nicht für Traumwelten, sondern fürs Alltägliche, bewusst auch fürs Problematische und das auf sprachlich anspruchsvollem Niveau – all das und vieles mehr hatte der großartige Hans-Joachim Gelberg sich auf die Fahnen geschrieben, als er 1971 Beltz und Gelberg gründete. Der Mogelzahn, mit dem Untertitel Jeden Abend eine neue Geschichte, erschien gleich im ersten Verlagsjahr, das war eine gute und glückliche Wahl, auch wenn sie den kleinen Andreas nicht begeistern konnte. Bei ihm überwog der moralische Verdruss. Vielleicht war er aber auch einfach nur zu geschmäcklerisch und ist es noch. Nusseis konnte ich ja auch nie leiden. Und ganz vielleicht ärgerte ich mich damals sowieso nur deshalb, weil der Lari Fari, ganz im Gegensatz zu mir, nie beim Lügen erwischt wurde. Weil er nie einen roten Kopf bekam und zu stottern begann, so wie ich. Weshalb ich irgendwann beschloss, das mit dem Lügen einfach zu lassen.

Lari Fari Mogelzahn wird 2011 vierzig Jahre alt. Er wird immer noch aufgelegt, wenn auch zur Zeit lediglich als Hörbuch mit sehr populären Sprechern (das Buch selbst kann man immerhin als Restbestand aus der bei SZ-Kinderbuchreihe bei den üblichen Verdächtigen ergattern). Das muss man ja erst mal hinkriegen. Ich wünsche dem Nussknacker, den ich immer noch nicht wirklich mag, schon jetzt einen schönen Geburtstag. Ganz ehrlich und nicht gelogen.
weiß