Freitag, 2. April 2010

Wie war es grau und schwer in der Welt …

'Abends bekam er, wie nach jeder demütigenden Schlägerei, zum Trost ein Märchen vorgelesen. Jeder der Geschichten, die mit und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende endeten, fügte die Großmutter regelmäßig hinzu: Aber am Schluss, ganz am Schluss, waren sie dann doch alle mausetot! Dieses angefügte Ende gefiel Duda überhaupt nicht, und er bezweifelte, dass es den Brüdern Grimm oder dem netten Herrn Andersen aus Dänemark, von dem seine liebsten Märchen stammten, gefallen hätte.'

(Aus dem Äther, erschienen in Froschmaul)

Vielleicht aber doch, auch wenn ich meinen eigenen Helden nur ungern widerspreche. Und vielleicht irrt Duda bloß, weil niemand es wie HANS CHRISTIAN ANDERSEN vermochte, die häufig depressive Grundstimmung seiner Geschichten durch die - nur vordergründig schlichte - Schönheit seiner Erzählsprache gleichsam wieder aufzufangen. Die meisten der bekannten Kunstmärchen Andersens sind, wie jedes gute Märchen, Entwicklungs- und PUBERTÄTSDRAMEN; ihren Zauber macht das in sie verwobene unterschwellig Archetypische aus; ihre Unsterblichkeit, dass sie unter dem Tasten unseres analytischen Verstandes zu leblose grauer Asche zerfallen mögen, sich aber, kaum wenden wir ihnen den Rücken zu, wie ein strahlender Phönix wieder daraus erheben.


W. H. Robinson-Meerjungfrau


Als Kind liebte ich den Andersen-Märchenband aus dem Ueberreuter Verlag mit den aquarellierten Illustrationen des leider viel zu früh verstorbenen Janusz Grabianski (zu dem auch mal ein Blog-Beitrag fällig wäre.) Als Erwachsener legte ich mir eine sauteure englische Ausgabe mit den magisch-schönen Bildern von William Heath Robinson zu, außerdem Andersens Schräge Märchen aus der Anderen Bibliothek. Die man unbedingt lesen sollte, wenn man sich ein differenzierteres Bild des dänischen Autors machen will, der heute vor 205 Jahren geboren wurde.

weiß

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