Samstag, 27. März 2010

Rico, Oskar und das lange Warten

Es war ursprünglich so gedacht, geplant und alles darauf ausgelegt, dass der dritte – und letzte – Band um Rico und Oskar diesen Herbst erscheint. Rundum feine Sache: Parallel dazu Taschenbuchstart des ersten Teils, das Weihnachtsgeschäft mitnehmen … und man ist ja als Autor auch immer ein bisschen sehr froh, wenn ein größeres Projekt endlich das Licht der Welt erblickt hat und man sich anderen Projekten zuwenden kann, auch wenn deren Größenordnung noch gar nicht feststeht oder abzusehen ist. (Dazu später mehr, in einem eigenen Eintrag.)

Es heißt, manchmal spiele das Leben derlei Spiele nicht mit, es kümmere sich nicht um Planungen, krempele sich sozusagen gelegentlich selbsttätig um und gerade das mache es ja so spannend – wer will heute schon wissen, was nächstes Jahr um diese Zeit bei ihm los ist? (Okay, manchen Menschen wollen genau das, weil Dynamik sie beunruhigt, aber wenn sie am Heiligabend ihre völlig absehbaren Weihnachtsgeschenke auspacken, tun sie trotzdem überrascht, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass sie im Grunde ihres Herzens doch gern was Anderes hätten, vielleicht sogar Dynamik, nur dass ihr Herz halt ein Hasenherzchen ist, das schnelleres Schlagen nicht verträgt; man darf sie deshalb nicht verurteilen.)

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So ist das mit dem ungeplanten wie mit dem geplanten Leben: Es macht letztlich, was es will, sagt man. Keiner aber sagt: Der Tod spielt nicht mit bei der Planung. Man sagt stattdessen: Der Tod funkt dazwischen, oder dass er plötzlich und unerwartet kommt, auch wenn er jeden von uns irgendwann erwartet, selbst die dynamischsten Menschen, die diese Tatsache aber ebenso gern ausblenden wie die Planer, Hasenherzchen also auch sie, und auch sie wollen wir nicht verurteilen, zumal das erwartet sich eher auf das irgendwann bezieht und nicht auf die Tatsache des unabwendbaren Tods als solche.

Als im Dezember mein Lebensgefährte starb (unerwartet), war Schluss mit Schreiben. Das erste – lange – Kapitel von Rico 3 war längst fertig, der Plot komplett ausgearbeitet, ausnahmsweise, weil ich, genauso wie der Verlag, wissen musste, ob es bei drei Teilen bleibt oder doch ein vierter dazukommt, und es ist schon ein wenig kurios, dass ausgerechnet dieses erste Kapitel auf einem Friedhof beginnt. Was ich nicht erwähne, um den Fans einen Brocken hinzuwerfen oder um die Spannung zu steigern, sondern weil ich im Geiste schon die erste Rezension lese, in der steht, der Steinhöfel habe den dritten Rico als Trauerarbeit verfasst, und die dauere ja bekanntlich länger, nicht umsonst reimt sich Trauer auf Dauer, ein Jahr schwarz und so weiter.

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Mitnichten, meine Lieben. Das Problem ist vielmehr dieses, dass die Figur Rico so dicht angelehnt ist an die Persönlichkeit meines Lebensgefährten, dass ich (leider immer noch) beim Schreiben einfach stocke, weil ich schreibend nicht den wieder lebendig machen kann, dessen Lebendigkeit Rico so auszeichnet. Ein zweites – langes – Kapitel habe ich im Februar beendet, testweise, nur um festzustellen, dass da inhaltlich zwar alles steht, was da stehen soll, diesem Inhalt aber jede Leichtigkeit und jeder Esprit fehlt.

So wird das wohl noch eine Weile gehen. Bis Ende Mai stehen Lesereisen ohne Ende auf dem Programm; ab Juni unternehme ich den nächste Schreibanlauf, mit dem Frühling im Rücken, den Frühsommer vor Augen und, hoffentlich, weniger Dunkel im Herzen. Wenn alles klappt, erscheint das Buch im Frühjahr 2011. Es erscheint dann weder plötzlich noch unerwartet, und nicht nur weil bald Ostern ist, widme ich es schon jetzt allen Hasenherzchen dieser Welt.
weiß weiß

Kommentare:

  1. Lieber Andreas,
    ich freue mich darüber, dass in deinem Weblog bereits ein wenig Frühling eingekehrt ist. Erfahrungsgemäß hilft es auch nix, an geschlossenen Knospen rumzupulen oder ein bisschen in der Erde zu graben, um zu gucken, wo die ersten Pflänzchen denn bleiben. Der Frühling kommt dann, wenn es Zeit dafür ist. Und auch dein Schreiben kommt wieder, wenn die Zeit dafür ist. Bis dahin wünsche ich dir die nötige Gelassenheit.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Lieber Andy,
    ich erinnere mich noch ans letze Jahr und die Literaturtage in Biedenkopf, als wir bei tollem Wetter mit einigen lieben Leuten (u.a. Dirk, Denise) vor der Eisdiele am Marktplatz saßen und zwischen den Events pausierten. Du hast so aufmunternt mit meinem Großen über Graffiti gesprochen, dass er heute noch ein Fan von dir ist :)
    Ich war nun schon einige Male hier, fand aber nichts Neues hier im Blog und fand es schade. Und nun stolptere ich über Juttas Blog wieder zu dir und muss das lesen.

    Was ich eigentlich sagen will: Es tut mir so leid!
    Ich hoffe, dass dein Schreibstocken bald überwunden ist und die Leichtigkeit und der Esprit aus einer Erinnerung wiedergeboren werden, dir dir keiner wegnehmen kann.

    Herzliche Grüße aus Biedenkopf (Wallau!) ;)
    Sabine
    www.wort-taten.com

    PS: Ich habe mich jetzt bei Google nur angemeldet, um hier mal posten zu können. Blogger hat's wohl nicht so mit uns Twoday-lern, was? ;)

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  3. Wie süß ... dank dir :) Ich melde mich über deine Seite bei dir. Man kann sich demnächst ja ruhig noch mal vor die Eisdiele setzen. Oder rein. Oder so.

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  4. Habe ich schon erwähnt, dass ich Eisdielen ebenfalls liebe?? Ganz egal, ob drinnen oder draußen. Das wollte ich nur mal gesagt haben ;-)

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  5. *g*

    Ich nehme das zur Kenntnis und speichere es ab. Aber ich baue jetzt keine eigene Eisdiele!

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