Samstag, 27. März 2010

Non scholae, sed vitae discimus

Man ist ja einiges gewöhnt. Zum Beispiel, dass der im Titel wiedergegebene Seneca-Ausspruch (aus seinen Briefen an Lucullus) wohl auf immer ein verdrehtes Zitat bleiben wird. In der ursprünglichen Fassung nämlich – non vitae, sed scholae discimus - kritisierte der sonst durch wenig aus der Ruhe zu bringende Herr damit die zeitgenössischen römischen Philosophenschulen; unsere längst gebräuchliche Umkehr des Zitats ist lediglich die daraus abgeleitete Forderung, es besser als die Römer zu machen und nicht immer neue weltfremde Fachidioten auf die Menschheit loszulassen. Fein, dass wir seit 2000 Jahren hart und erfolglos daran arbeiten.

gnu-free-Seneca-Rubens


Auf unsere eigenen Schulen mag ich nicht wirklich einhacken. Dass ich mir manche Leserpost, gleich ob als Brief oder Mail verfasst, inzwischen immer öfter laut vorlesen muss, um den Inhalt wenigstens übers Lautmalerische zu erfassen – geschenkt. Legasthenie und Dyslexie sind ernst zu nehmende Probleme, unter denen die davon Betroffenen in der Regel sehr leiden. Erstaunlich ist bestenfalls der politisch korrekte Trend, inzwischen hinter jedem orthografischen Totalausfall eine versteckte Hochbegabung zu vermuten. Liebe Eltern: Echte Lernschwäche hat nichts mit Faulheit zu tun. Echte Faulheit aber auch nichts mit Begabung. Und manchmal liegt die Faulheit nicht nur beim Schüler.

Sei’s drum – man kommt durch dieses Phänomen in den Genuss von Mails wie der folgenden, eine Antwort auf von mir verschicktes Material zu Beschützer der Diebe, um die derselbe Schüler gebeten hatte – offenbar ohne sich dann damit auseinanderzusetzen:

Ja danke für deine Spitzen info echt Klasse Dein buch ist laaaaammm HAHAHAHAHAHAHAHA dein buch iss so scheiße du wixxer wegen dir hab ich ein 5 in hausaufgaben du huso ^^ hau rein !

Über fehlende Anrede (Lieber Huso) und Absender (dein Mofu) rege ich mich längst nicht mehr auf. Okay, jedenfalls nicht mehr so arg wie früher. Fasziniert hat mich bei der Lektüre eher, dass hier ein etwa Zwölfjähriger schon erkannt und verinnerlicht hat, wer für alles, was bei ihm nicht rund läuft, die Verantwortung trägt: Immer die anderen. Und damit hat er dann doch wirklich was fürs Leben gelernt.


Belugastör (Huso huso) weiß

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