Donnerstag, 29. März 2007

ZEITabschnitte (1) - Lindgren und Potter

Ab jetzt weise ich mit den ZEITabschnitten unregelmäßig auf mal mehr, mal weniger lesenwerte Artikel über Kinder- und Jugendliteratur in Deutschlands beliebtestem Briefbeschwerer hin. Dort firmiert selbige Gattung zwar nur als "Kinder- und Jugendbuch", weil die Zielgruppe offenbar keine Literatur liest, weshalb die gesamte Sparte auch erst hinter Belletristik, Lyrik, politischem Buch und Sachbuch angeordnet ist. Aber das tut meiner Freude über das eine oder andere Schmankerl keinen Abbruch.

Hymnische Heerschären

Und ich sag's noch … Susanne Mayer schmeißt sich als Erste vor den rollenden Zug und ehrt Astrid Lindgren mit einer kleinen Hommage, bevor alle anderen es tun. Dass aber klein nicht unbedingt kleckern heißt, wird schon eingangs des Artikels klar gestellt, geht es doch darin um nicht weniger als "die wunderbarste Kinderbuchautorin aller Zeiten, was man jedenfalls für die ersten 6000 Jahre der Schriftkultur behaupten kann." Da wird sich der Oetinger Verlag freuen, wenn nun alle Bildungsbürger, in deren Billy-Regalen bisher eine schwedische Lücke klaffte, diese spätestens jetzt zu schließen versuchen werden.



Frau Mayer beendet ihre (vornehmlich biografisch orientierte) Hymne an die Schwedin mit der Frage "wieso es in der ganzen Welt nur die eine Frau gibt, die so überzeugend für Kinder und zu Kindern spricht." Na ja. Ganz vielleicht liegt's daran, dass Frau Mayer während des Studiums von 6000 Jahren Schriftkultur ein paar andere gute oder gar bessere Kinderbücher als die von la Lindgrén durch die Lappen gegangen sind. Und nein, damit meine ich nicht die meinen.

Besen! Besen! Seid's gewesen …

Die Veröffentlichung des letzten Potter-Bandes naht mit großen Schritten: Am 21. Juli ist es so weit. Weshalb ab jetzt nicht mehr nur in zahllosen Internet-Foren die Spekulationen um den Ausgang der Saga ins Kraut schießen, sondern auch in den großen Feuilletons. Derselbe Herr Jessen, der in einem ganz anderen Artikel wunderbar böse die psychologischen Prämissen der deutschen Verbotsmanie aufgedröselt hat, bedient sich einer angeblichen (im Netz jedenfalls unauffindbaren) Meldung des britischen Daily Star, um das schlimmste aller möglichen Enden für Harry – und damit auch für dessen Leser – herbei zu unken: Den Abstieg des aller magischen Kräfte beraubten Zauberlehrlings ins banale Alltagsleben.



So müßig derlei Mutmaßungen sind, so hübsch nutzt der Herr Jessen dieselben, um uns eine Lektion in Sachen progressiver Universalpoesie zu erteilen. Friedrich Schlegel hat sie dereinst formuliert: Aufgabe der Literatur ist es, die Welt zu romantisieren. Dem habe ich wahlweise sehr viel, besser aber erstmal gar nichts hinzuzufügen, außer vielleicht den Wunsch, dass all jene Schüler und Studenten Herrn Schlegel vertiefend studieren mögen, die uns Autoren immer wieder gern mit der Frage martern, warum es in einigen unserer Bücher so unwahrscheinlich zugehe – ins Deutsche übersetzt also: nicht deutsch genug.

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