Montag, 26. März 2007

Beschützer der Diebe - Neuauflage

Die Ursachen für das Elend um den derzeitigen Lieferstopp der Taschenbuch-Ausgabe von Beschützer der Diebe begründen sich wie folgt: Carlsen hat dtv, dem derzeitigen Lizenznehmer, den Titel für die hauseigene Taschenbuch-Reihe abgekauft. Die Carlsen-Ausgabe sollte im September 2007 auf den Markt kommen. Bis dahin hat dtv die Option, binnen eines halben Jahres die derzeitigen Lagerbestände des Buches loszuwerden. Abverkaufsfrist nennt sich das, ein in der Regel sinnvolles Instrument, um wirtschaftlichen Schaden (sprich: das Sitzenbleiben auf einem hohen Auflagenrest) zu begrenzen.

Leider gibt es keine Lagerbestände von Beschützer der Diebe. Die sehr gängige Regel, dass bis zum Ende der Abverkaufsfrist immer ein kleiner Auflagenrest übrig bleibt, gilt nun mal nicht für ein Buch, das als Standardlektüre im Deutschunterricht verwendet wird. Genau das ist die Stelle, an der irgendein Rechenschieber bei dtv sehr gründlich daneben gelegen hat. Vielleicht war 's ein Praktikant. Hoffentlich war's nur ein Praktikant. Jeden hierarchisch höher stehenden Entscheidungsträger, der dermaßen versagt hat, würde ich als Verleger nämlich feuern.

Wie geht's nun weiter? Um den Schaden zu begrenzen, wird Carlsen die Auslieferung der neuen Taschenbuch-Ausgabe von September auf Anfang Juli vorziehen. Schneller geht's nicht. Dass es überhaupt geht, stimmt mich fröhlich, aber nur bedingt. Damit ist nämlich keinem Lehrer geholfen, der den Titel aktuell im Unterricht behandeln möchte. Im Juli, wenn er endlich wieder erhältlich sein wird, ist das Schuljahr nämlich rum. Und wie viele Lehrer ein Buch ganz von der Liste streichen, von dem es beim Buchhändler lapidar heißt, dass es nicht mehr aufgelegt wird, will ich gar nicht wissen.




Vermutlich ist es müßig, an dieser Stelle auf die aktuell lieferbare Hardcover-Variante des Buches hinzuweisen. Schüler, die ohne mit der Wimper zu zucken zehn Mal hintereinander für ihren Lieblingssänger bei DSDS anrufen oder sich für einen Fünfer im Fastfood-Laden um die Ecke mit einer Tagesdosis Glutamat eindecken, gucken dich sofort ganz hohlwangig an, wenn sie den Preisunterschied zwischen Taschenbuch und Hardcover berappen sollen. Ein Betrag von drei Euro vierzig, der in etwa den Kosten für das T oder das H auf einem neuen T-Shirt von Tommy Hilfiger entspricht, ist absolut nicht drin. Man muss Prioritäten setzen. Außerdem macht die Politik es vor: Kultur und Bildung kommen immer zum Schluss. Und ihre Kosten werden grundsätzlich vom Taschengeld bestritten.

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