Dienstag, 27. Februar 2007

Verirrungen

"Die Geschichten aller Märchen handeln entweder von der Rückkehr in den Mutterleib (den Himmel, das Zuhause) oder davon, in die Welt hinauszugehen und seinen persönlichen Dämonen entgegen zu treten. Wir sind alle Kinder, die durch ihre eigene Fabel wandern."



So beschreibt Guillermo del Toro den dramaturgischen Ansatz zu Pans Labyrinth. Drei Oscars (Kamera, Ausstattung, Maske) konnte die düstere, traurig-konsequent erzählte Geschichte um eine kindliche Weltflucht vor den Schrecken des Faschismus einheimsen. Im Rennen um die Auszeichnung als bester ausländischer Film unterlag Pans Labyrinth jedoch gegen Das Leben der Anderen. Und das ist fast schon ein wenig ironisch, denn Florian Henckel von Donnersmarcks Film folgt dem selben Ansatz wie del Toro. Sein Einblick in das Uhrwerk eines totalitären Staates, in dem ein Rädchen aus dem Takt gerät, tarnt sich lediglich als historischer Rückblick. Tatsächlich ist er kaum weniger märchenhaft.



Das Leben der Anderen
mag das komplexere und substanziellere der beiden Werke sein, aber Pans Labyrinth ist ehrlicher in der erzählerischen Grundhaltung. Ich mag sie beide. Das einzig wirklich Blöde an der Auszeichnung des Stasi-Abhör-Dramas ist, dass die Deutschen jetzt wieder glauben, sie besäßen so etwas wie eine funktionierende Filmindustrie statt eines staatlich kontrollierten Zuschussbetriebes für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Kommentare:

JoAnn hat gesagt…

Ich schätze beide filme auch sehr und Pans Labyrinth hat mich wirklich sehr mitgenommen und zutiefst berührt zurückgelassen... Ein wundervoller, trauriger, seltsamer, endgültiger, brutaler, wahrer Film. Wirklich einzigartig.

Beide Filme haben übrigens ein wunderbares Ende, auch wenn das von Pans Labyrinth trotz der leicht blühenden Hoffnung wahnsinnig traurig ist...
Pans Labyrinth werde ich mir auf jeden Fall ein zweites Mal ansehen.

Blauer Vollmond hat gesagt…

Ich habe den Film heute gesehen und verstehe JETZT Deinen Satz:"... aber Pans Labyrinth ist ehrlicher in der erzählerischen Grundhaltung."
Die Geschichte lebt von Anfang an von dem Nebeneinander von Realität und der Vorstellung(-swelt)Ophelias, die auch und gerade durch ihren Tod getrennt bleiben.
Und auch wieder nicht, denn in ihrer Vorstellunsgweelt hat sie gesiegt. Ein echt genialer Film
findet

Blauer Vollmond

Anonym hat gesagt…

was schreiben Sie hier wieder für einen schwachsinn:

"Das einzig wirklich Blöde an der Auszeichnung des Stasi-Abhör-Dramas ist, dass die Deutschen jetzt wieder glauben, sie besäßen so etwas wie eine funktionierende Filmindustrie statt eines staatlich kontrollierten Zuschussbetriebes für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen."

Ihre pseudointellektuellen ausführungen auf dieser seite sind schon sehr lächerlich, deutschland liefert seit jahren gute filme, die schon einige oscars eingeheimst haben... - im übrigen haben wir grandiose regisseure, filmmusik-komponisten, schauspieler und eine rege kino-kultur. zahlreiche finanzierungen großer und guter filme kommen aus dt. geldtöpfen.

was wollen Sie, wer sind Sie ahnungsloser narr???

ANDREAS STEINHÖFEL hat gesagt…

Und was für ein drolliger Mensch sind Sie, dass Sie hier anonym einen Kommentar verfassen, der meine Aussage bewusst missinterpretiert? Ich habe mich weder gegen den deutschen Film als solchen noch dessen Macher ausgelassen, wozu ich auch gar keinen Anlass hätte. Mir ging es lediglich um die hierzulande herrschenden verqueren Produktionsbedingungen.

Weiterdiskussion gern, sobald Sie hier nicht weiterhin anonym den Breiten markieren und mit undurchdachten und beleidigenden Äußerungen um sich werfen. Sonst nehme ich mir die Freiheit, Ihre Beiträge in den Spam-Ordner zu verschieben.