Sonntag, 18. Februar 2007

Berlinale (5) - Widerhaken

Die Sieger von Generation stehen fest, die Preise sind vergeben. All meine persönlichen Favoriten haben das Rennen gemacht, das freut mich unendlich, aber jetzt habe ich den Blues. Das Berlinalebärchen hat sein letztes Feuerwerk versprüht, die lange Klassenfahrt ist vorbei, unsere Jury in alle Winde zerstreut, zurück in Holland, England, Schweden, Russland. What a bunch of exceptionally nice people! Bonding im Dreivierteltakt. Mal sehen, was bleibt.

Jenseits der von uns und den Kindern ausgezeichneten Filme sind mir einige Titel im Gedächtnis geblieben, die ich dem geneigten Publikum hiermit empfehlen möchte: Zwei dramaturgisch schamlos durchkalkulierte Spielfilm-Produktionen, die den Zoo Palast völlig durchgerockt haben und drei Kurzfilme, deren Machern hoffentlich bald eigene neunzigminütige Schamlosigkeiten finanziert werden.


In Trigger beschließt die dicke Alise, ein von unmittelbarer Verwurstung bedrohtes Fury zu retten. Geht aber nicht, weil das sympathische Pummelchen eigentlich Angst vor Pferden hat, und reiten kann es schon gar nicht. Bis zuletzt dann natürlich doch und so weiter und so weiter, in einem Finale, das mich um den sofortigen Deckeneinsturz des Kinos fürchten ließ, so ging das kleine Publikum mit. Als nächstes dann bitte Flipper und die Thunfischfänger. Mann, hätte ich diesen Film als Kind geliebt!


Eis! habe ich weiter unten schon erwähnt. Aus vermutlich schierer Sentimentalität meinerseits war das der einzige Film, dem ich sein überzuckertes Happyend nicht übel genommen habe. Im Gegenteil, ich wäre stinksauer gewesen, wenn das Dötzeken, das genau 840 Eis am Stiel verkaufen muss, um ein Zugticket zwecks Vaterfindung finanzieren zu können, seinen Papa am Schluss nicht gefunden hätte. Dieser kleine Stoppelhopser hatte ein Lächeln, das im Zoo Palast die Sonne aufgehen ließ. Bestes Entertainment, in dem die Kinder die erwachsenen Knallchargen gnadenlos an die Wand spielen, außerdem die ultimative filmische Propaganda für beschränkte Bahnübergänge.


Es ist mehr als ein Jammer, dass Kurzfilme außerhalb von Festivals kaum Zuschauer finden. Mit etwas Glück landen sie als Appetithäppchen vor ihren großen Brüdern, dürften aber ansonsten – und dem Himmel sei's geklagt – gnadenlos verpasst werden. Weshalb einem breiteren Publikum Schmuckstücke wie Der Schlangenbiss entgehen, die wohl niedlichste (und witzigste) kindliche Sterbephantasie, die je auf über eine Leinwand flimmerte, mit absolut wonneproppigen Hauptdarstellern.


Dann war da noch Als Elvis zu Besuch kam, über dessen Inhalt man nichts verraten darf, weil der mit einem Schockmoment aufwartet, das sich gewaschen hat. Während einige andere der gezeigten Filme sich ihre Pointen bis zum Ende hin aufbewahrten (was in Kurzgeschichten von Roald Dahl immer funktioniert, im Kino hingegen eher selten), fällt hier der Hammer nach dem zweiten Drittel. Was ein Drittel Zeit bedeutet, das Gesehene zu verkraften und die Rübe auf Hochtouren laufen zu lassen.


Bennys Tattoo schließlich ist die Geschichte einer ungleichen Jungenfreundschaft, die sich als Feindschaft tarnt. Wundervoll erzählt, wenn auch zum Ende hin ein wenig über die dramaturgischen Stränge schlagend. Ab und an hörte man ein deutliches Knacksen aus dem Zuschauerraum: Die Herzbrüche anwesender Mädchen, die hoffnungslos dem braunäugigen Charme des Hauptdarstellers erlagen.

Wer wissen will, wie nicht nur diese, sondern alle Filme von Generation bei jugendlichen Zuschauern abgeschnitten haben, sei abschließend an die Jungen Journalisten verwiesen, die mit großem Engagement das gesamte Programm und einiges an Drumherum begleitet haben.

Sayonara, Bärchen!

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