Freitag, 26. Januar 2007

Dokument irrtümlicher Weltanschauungen

Zu diesem kleinen Meisterwerk (nebenan bei Anders Weitsichten unter weiteren kleinen literarischen Meisterwerken zu finden) muss ich ein wenig ausholen, zumal der geneigte Web2.0er bemerken wird, dass es keinen weiter führenden Link dazu gibt. Das Werk gibt's auch nicht mehr (außer eventuell auf direkte Anfrage bei seinen Schöpfern), und beides bedaure ich sehr.

 

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FMSW sind vier Berliner Künstler, die mit dem Dokument im Juli 2005 ihre Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee vorlegten. Oder aufführten. Oder darstellten oder musizierten oder dialogisierten. Der Untertitel dieses Mordsspaßes (den als es quadratisches Buch nebst begleitender CD gibt) lautet Über die physikalisch bedingte Arbeitslosigkeit des Bildhauers, es unterhalten sich darin Gott, ein Wolf, der Teufel und Schrödingers Katze.

Das ist nicht Gott, das ist Hintergrundrauschen

Die Protagonisten treiben auf einem Floß, sie schlagen sich ums Steuer auf Wellen, die gleichzeitig Teilchen sind, oszillieren zwischen Sein und Nichtsein vor und in zerbrechenden Spiegeln und geben sich währenddessen so richtig die philosophische Kante. Eine kurze Äußerung wie "Der Himmel" zieht drei meterlange Fußnoten nach sich, wie überhaupt das ganze Büchlein zu 90 Prozent aus Fußnoten besteht, die allerdings mit den Dialogen der Floßfahrer eine innigere Verbindung eingehen als Wodka mit Bitter Lemon, wenn auch mit ähnlich berauschender Wirkung.

Keine Kisten! Nie wieder Kisten!

Am Ende aller Debatten, und nach ein paar spritzigen Ausflügen in Relativitätstheorie und Dekonstruktivismus, hat der Leser/Zuhörer/Zuschauer dann nicht nur erfahren, wie aus dem nackten Wolf der Hund mit Pelz wurde. Er ist auch Zeuge des wunderbaren Zaubertricks geworden, wie vier Künstler - siehe Untertitel - sich nachgerade selbstmörderisch des existenziellen Bodens unter ihren Füßen beraubt haben, weil sie nichts anderes brauchen als: Flügel.

Ganz groß.

weiß

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